Es sind entsetzliche Details, die sich auf über 100 Seiten Verhörprotokollen aus dem Jahr 1656 nachlesen lassen. Die aus Uster stammende, 44-jährige Elsbetha Bünzli wurde wochenlang einer Streckfolter ausgesetzt. Immer und immer wieder liessen die Untersuchungsrichter die der Hexerei beschuldigte Frau an den am Rücken gefesselten Armen aufhängen. Die Qualen während dieser Form der «peinlichen Befragung» steigerten zusätzliche Gewichte an den Füssen.
Letztlich gestand Bünzli die ihr zur Last gelegten Verfehlungen. Sie wurde wegen Teufelsbündnis zum Tode verurteilt. Ein Leben voller Erniedrigungen, Armut und Ausgrenzung endete am 6. August 1656 auf dem Zürcher Richtplatz, einer Sandbank in der Sihl, wo sie geköpft und danach verbrannt wurde.
Dass wir dies alles und noch viel mehr über Elsbetha Bünzli wissen, ist den erwähnten Protokollen zu verdanken. Ausgewertet und transkribiert wurden sie schon vor über zehn Jahren vom Alt-Staatsarchivar des Kantons Zürich Otto Sigg, der sich in seiner Publikation aus dem Jahr 2019 mit den Hexenmorden auf Zürcher Hoheitsgebiet auseinandersetzte. Rund 80 Fälle zählte Sigg zwischen 1487 und 1701.
Die Macht des Patriarchats
Eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Diskussionen und Lesungen widmet sich nun dem tragischen Schicksal Bünzlis. Durch das Scheinwerferlicht, das Expertinnen und Experten auf diesen Fall der Hexenverfolgung legen, erfährt das Publikum einiges über die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umstände, die in Mitteleuropa in jener Übergangszeit vom Spätmittelalter bis in die aufklärerische Moderne herrschten. Und vor allem viel über die Mentalität und den Glauben der Menschen.
Einer dieser Experten, die sich eingehend mit Elsbetha Bünzli auseinandergesetzt haben, ist der Historiker Paul Brändli. Je mehr sich der pensionierte Kantonschullehrer in das Thema einarbeitete, desto deutlicher setzte sich in ihm die Erkenntnis fest, dass «der Hexenglaube nicht ein Wahn einer Minderheit, sondern Mainstream war», wie er im Gespräch mit «reformiert.» erklärt.
Der Brandbeschleuniger
Das Denken der Menschen sei bis zur Aufklärung stark von volksmagischen Bräuchen und Ideen geprägt gewesen, sagt Brändli. In Verbindung mit dem Buchdruck vermochte sich die massenhafte Verbreitung der «irrwitzigen Vorstellungen von Hexensabbat und Teufelsbuhlschaft verstärkt durchzusetzen und wurde zu einer intersubjektiven Wirklichkeit», erklärt Brändli.
