Das Leben mit einer Querschnittlähmung, mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, ALS oder Parkinson ist ein schweres Los. Die Betroffenen sind zwingend auf medizinische Hilfsmittel und spezialisierte Pflege in einer barrierefreien Umgebung angewiesen. Meist können sie nur dank der Pflege von Angehörigen, die nonstop für sie da sind, zu Hause leben.
Notsituationen überbrücken
In Bad Zurzach gibt es seit 2021 die gemeinnützige Institution Rückenwind plus. Diese springt ein, wenn Angehörige von pflegebedürftigen Menschen Entlastung oder Ferien brauchen, wenn Notsituationen zu überbrücken sind oder die Patienten für einige Wochen mehr Pflege benötigen. Für Menschen mit komplexen neurologischen Erkrankungen oder Querschnittlähmung gibt es oft keinen passenden Ort auf Zeit. Entweder sind sie medizinisch zu stabil für das Spital oder zu pflegeintensiv für ein Heim.
2023 setzte der Kanton Aargau die Station Rückenwind plus mit ihren 24 Betten auf die Spitalliste. Mit der Argumentation, dass dafür kein Bedarf bestehe, reichte der Kanton Zürich dagegen Beschwerde ein – und erhielt vor dem Bundesverwaltungsgericht recht. Nun droht dem Pflegeangebot mangels finanzieller Unterstützung das Aus.
Was damit verloren ginge, macht ein Buch sichtbar, das diesen April erscheint. «Schwere Los» zeigt eindringlich, wie existenziell Rückenwind plus für Betroffene und ihre Angehörigen ist. Autoren sind Peter Lude und Thomas Gröbly, beide im Rollstuhl und mit Rückenwind plus eng verbunden. Lude, der mit 20 Jahren einen Schwimmunfall hatte und seither querschnittgelähmt ist, ist Psychologe und Verwaltungsratspräsident der Institution. Der reformierte Theologe und Ethiker Gröbly leidet seit zehn Jahren unter ALS und war dort Gast.
Der Fotograf René Rohr hat die Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Pflegenden, die im Buch zu Wort kommen, vor einer weissen Wand fotografiert und gibt ihnen respektvoll ein Gesicht. Zum Beispiel Anne Ithen, die seit dem Attentat im Kantonsrat Zug 2001 auf einen Rollstuhl angewiesen ist und von ihrem Lebenspartner gepflegt wird. Sie war schon zweimal in Rückenwind plus, damit ihr Partner, der gern reist, eine Auszeit erhält.
