Am Morgen nach der Publikation eines «reformiert.»-Beitrags auf Instagram Ende März rieben wir uns in der Redaktion verwundert die Augen. Innert weniger Stunden verbreitete sich der Post über eine niederländische Kirchgemeinde, die eine usbekische Familie vor der Ausschaffung schützt, rasant.
Ein Akt der Solidarität geht viral
Die Geschichte eines Nonstop-Gottesdiensts in den Niederlanden zugunsten einer asylsuchenden Familie beflügelte die Herzen auf Social Media.
Menschen aus dem ganzen Land unterstützen das Kirchenasyl für die Familie Babayant. (Foto Ilva Njioktjien)

Die Zahl der Likes stieg von rund 3000 am ersten Tag auf inzwischen über 52 000. Die Nachricht von Menschen, die einem Elternpaar und vier Kindern seit November 2024 mit einem kein einziges Mal unterbrochenen Gottesdienst Zuflucht geben, stösst auf offene Herzen.
So sollte Kirche sein
In den zahlreichen Kommentaren zeigt sich, weshalb. Viele sehnen sich nach Berichten, die nicht von Krieg und Machtgebaren erzählen, sondern von Mitmenschlichkeit. «Danke, dass ich heute noch was Schönes über die Menschheit lesen darf. Das habe ich gebraucht», schreibt eine Frau. Eine andere: «Ich weine, weil mich solche Nachrichten nicht den Glauben an die Menschheit verlieren lassen.» Auch sie bedankt sich.
Bemerkenswert viele Leute beschreiben sich als kirchenfern und zeigen sich positiv von der Kirche überrascht. «Als agnostischer Atheist möchte ich sagen: Das ist es, wozu der Glaube ursprünglich war», so ein Mann. Immer wieder wird der Wunsch geäussert, dass die Kirche sich viel mehr für Menschen engagieren möge. «Wenn unsere Kirche das machen würde, würde ich sofort wieder eintreten.»
Artikeln zu Migrationsfragen oft zu finden sind, fehlen weitgehend. Zwar äussern Einzelne Unverständnis und haben teils hitzige Diskussionen untereinander ausgelöst. Doch sie sind in der Regel vom Bemühen geprägt, den eigenen Standpunkt zu erläutern. Wer die Geschichte verteidigt, tut dies meist mit dem Versuch, die Situation der betroffenen Familie nachvollziehbar zu machen.
Stimme der stillen Mehrheit
Dass der Beitrag vor allem Menschen erreicht, die für dieses Thema offen sind, liegt auch am Algorithmus. Und doch ist die Resonanz auf kirchliche Unterstützung der usbekischen Familie Babayant auffällig.
«Wir erklären uns die grosse Unterstützung mit dem Bedürfnis nach einer mitmenschlichen Politik», sagt Herman Stamphorst, der als Vertrauensmann die Babayants unterstützt. «Die stille Mehrheit will eine mitfühlende Gesellschaft.» Bereits haben sich Leute aus dem Ausland gemeldet, die in Kampen mithelfen wollen.