Hoch ragen die imposanten Türme der Winterthurer Stadtkirche hinter dem grün bemalten Zuhörwagen auf. Seit exakt einem halben Jahr steht er hier. Ein Fremdkörper zwar, und doch fügt sich sein freundliches Erscheinungsbild harmonisch in die friedliche und ruhige Atmosphäre auf dem Kirchplatz ein.
Immer wieder bleiben Passanten und Passantinnen vor den schwarzen Tafeln an der Seitenwand stehen. Manche werfen einen neugierigen Blick ins Innere des Wagens. Dort sitzt Antje Waterholter, freischaffende Architekturpsychologin und Beraterin. Viele Jahre lang trug sie die Idee mit sich herum, im öffentlichen Raum einen geschützten Ort zu schaffen, wo Menschen mit dem Bedürfnis zu reden auf jemanden treffen, der ihnen zuhört.
«Ich bin überzeugt, dass die Antworten auf die Herausforderungen des Lebens in den Menschen selbst zu finden sind», sagt sie. «Zuhören hilft dabei, dass die Antworten in ihrem Inneren entstehen können.»
Die 61-Jährige möchte mit dem barrierefreien und kostenlosen Angebot die Begegnungskultur beleben und der Einsamkeit entgegenwirken. «Der Zuhörwagen soll ein Ort des Wohlbefindens sein, wo Zugehörigkeit und Verbundenheit erfahren werden», sagt Waterholter.
Ein notwendiges Wagnis
Dass es diesen Ort heute gibt, sei ihrer Tochter Caren zu verdanken. Die beiden Frauen gehören zur Bürogemeinschaft Orbit, einem Projekt der reformierten Stadtkirche Winterthur. Dort diskutierten sie über ihre Idee, waren offen für Anregungen. Caren, Projektmanagerin und Kommunikationsfachfrau, sorgte dafür, dass aus Ideen und Skizzen ein umsetzbares Projekt wurde, kümmerte sich ums Fundraising und den Bau des Wagens.
