In den spirituellen Suchmomenten präsent sein
Zu Christian Feidners Aufgaben gehört, Menschen für kirchliche Berufe zu begeistern. Im Januar trat er seine Stelle an und erzählt nun, was er vorhat.
Christian Feidner ist aus dem hessischen Odenwald (D) nach Graubünden gezogen. Foto: Jan Roth

Ein freundliches Lächeln, einen wachen Blick und ein grosses Interesse an der Vielfalt des Kantons – das hat der 36-jährige Deutsche mitgebracht. Inzwischen lernt er Italienisch und hat auch schon ein paar Brocken Romanisch aufgeschnappt: gute Voraussetzungen, um auf Menschen zuzugehen.
Und wirklich, erzählt Christian Feidner, der Anfang war vielversprechend: «Am Gottesdienst vor dem ersten Arbeitstag, da war ich in der Martinskirche in Chur. Dort sass jemand vor mir in der Bank, jemand Junges, der sehr engagiert am Gottesdienst teilgenommen hat.» Im Anschluss suchte Feidner das Gespräch mit der Person. Er erfuhr, dass sie Interesse am Theologiestudium hat.
Erster Ansprechpartner KI
In diesem Gespräch fiel Christian Feidner auf, was er bereits häufig beobachtet hatte, gerade bei jungen Menschen: «Der erste Kontakt zum Glauben erfolgt heute immer häufiger über Chatbots im Internet – erst später kommt es zu persönlichen Begegnungen und Gesprächen.» Der Fachkräftemangel hat die Kirche längst erreicht. Auf Vakanzen hat es oft nur wenige oder gar keine Bewerbungen. Die Stelle von Christian Feidner ist genau deshalb geschaffen worden. Der frühere Wirtschaftsingenieur und evangelische Pfarrer im Quereinstieg erkannte immer wieder: Interesse an Glaube und Spiritualität ist bei vielen Leuten grundsätzlich vorhanden.
Nur stellen vor allem junge Menschen keine Verbindung zur Institution Kirche her. Schlicht, weil sie sie gar nicht kennen: «Es ist weniger Ablehnung als Indifferenz gegenüber der Kirche. Man hat einfach nichts mehr mit ihr zu tun.» Und er fügt hinzu: «Wenn es die Kirche noch besser schafft, gegenüber Interessierten in solchen spirituellen Suchmomenten präsent zu sein, sie in die Gemeinschaft einzuladen, ob in ehrenamtlicher Mitarbeit oder mit beruflichen Perspektiven, gelingt Nachwuchsförderung.»
Christian Feidner ist im deutschen Bundesland Hessen aufgewachsen, das genau in der Mitte des Nachbarlands liegt. Im Süden hat es dort mit dem Odenwald einen hügeligen Landstrich, Feidners Heimat. In seiner Jugend kam er ein wenig herum, kehrte dann aber in die ländliche Heimat zurück und liess sich zum Pfarrer ausbilden. Anfang 2026 trat Feidner die auf sieben Jahre befristete Stelle als Projektleiter für Nachwuchsförderung in der reformierten Landeskirche Graubünden an. Er hospitierte bei Pfarrkolleginnen in Davos und im Bergell und merkte schnell: Kirche ist hier anders, als er sie kennt. Die Gemeinden sind autonomer.
Kirche als Arbeitgeber
Während Gesprächen merkte er: Die Vielfalt kirchlicher Berufe, wie etwa die Arbeit als Sozialdiakon oder Sozialdiakonin, ist in Graubünden oft noch unbekannt. Hier möchte Christian Feidner Ausbildungsmöglichkeiten im Kanton ermöglichen und würde sich über Stellenausschreibungen hierfür aus den Kirchgemeinden freuen. Doch die Gemeinden in Graubünden sind klein; vielerorts hat man Mühe, nur schon Gottesdienste, Abdankungen, Taufen und Trauungen zu organisieren. Aber genau dort will Feidner ansetzen: «Man kann darüber diskutieren, ob das die Kernaufgaben von Kirche sind oder ob der Auftrag grösser gefasst werden sollte als die Feier der Kasualien.»
Ideen hat der Theologe einige. So möchte Feidner ein «neues Ehrenamt» etablieren in Form von klaren, zeitlich begrenzten Projekten und Aufgaben. Dann will er eine Gruppe junger Laienprediger aufgleisen, die sich regelmässig trifft und austauscht. Ausserdem schweben ihm Praktika und «Schnuppertage» vor für Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen in den Pfarrberuf vor.
Begegnung wirkt
Zwischen den traditionellen Strukturen und der neuen Sinnsuche bewegt Christian Feidner sich nun als Projektleiter. Ob es sich einfach um einen Glücksfall handelt oder himmlisches Wirken im Spiel war, der Kontakt aus dem Gottesdienst in der Martinskirche wirkte sich positiv aus. Die angesprochene Person absolvierte ein Praktikum in einer Gemeinde und bewarb sich für das Theologiestudium.