Ein Traditionshaus wird verkauft

Bildung

Vor einem Jahr schloss das spirituelle Zentrum der Jesuiten in Bad Schönbrunn für Übernachtungsgäste. Nun ist klar: Rettungsversuche sind gescheitert, der Orden sucht Käufer. 

Die Glocken und der Gong – am 17. Mai wurden sie nochmals geschlagen und leiteten Gottesdienst und Zen-Meditation ein. Rund 100 Menschen kamen an diesem Sonntag, um sich von einem Ort zu verabschieden, der für viele über Jahrzehnte zu einer spirituellen Heimat geworden war: dem Lassalle-Haus in Bad Schönbrunn bei Zug.

Nach Pfingsten müssen die verbliebenen drei Jesuiten, darunter Zenmeister und Gründer des Zentrums Niklaus Brantschen, ihr Haus räumen. Sie ziehen in andere jesuitische Institutionen. Bemühungen, das Bildungshaus zu erhalten, das sich als Brückenschlag zwischen Christentum und Zen-Buddhismus verstand, blieben erfolglos. Die Immobilie, 1969 von Architekt André Studer erbaut, wird verkauft. Der Entscheid dafür fiel in München, seit 2021 werden von dort auch die Geschicke Schweizer Jesuiten gelenkt. Der Orden begründet die Aufgabe mit siebenstelligen Verlusten, die das Haus zuletzt verursacht habe. Bis Ende 2025 sei intensiv nach einem neuen Träger gesucht und verschiedene Optionen geprüft worden, schreibt Pater Jan Roser, Socius des Provinzials, auf Anfrage von «reformiert.».

Der Orden schrumpft

Auch im kirchlichen Umfeld seien in den vergangenen Jahren Gespräche geführt worden. «Wie viele Bildungshäuser auch, mussten wir die Erfahrung machen, dass keine Lösung der Probleme in Sicht war.» Ein weiterer Aspekt seien die schwindenden Mitgliederzahlen. Die nächste Ordensgeneration, die über weniger Mitglieder verfügen wird, solle nicht mit der Verwaltung einer grossen Institutionen überlastet werden. 

Vor rund einem Jahr hatte das Bildungshaus, dessen Namensgeber Jesuit und Zenmeister Hugo Makibi Enomiya Lassalle ist, bereits Hotellerie und Gastronomie geschlossen. Über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihre Stelle.

Eine neu gegründete Lassalle-Gemeinschaft, der auch der letzte jesuitische Leiter des Zentrums angehört, hielt das Haus weiter offen für Gottesdienste und Zen-Meditationen. Auch suchte die Gemeinschaft neue Betreiber, um das Haus zu retten. So entwickelte sie das Konzept, ein Kompetenzzentrum für psychisch belastete Jugendliche zu eröffnen. Doch es stiess in München nicht auf offene Ohren. Roser begründet dies damit, dass das Haus baulich nicht dafür geeignet sei. 

Die Lassalle-Gemeinschaft will sich nicht weiter zu den Vorgängen äussern. Bitter stösst manchem Beobachter auf, dass das Zentrum vor zehn Jahren für 23,5 Millionen Franken aufwendig saniert wurde – vor allem dank Spendengeldern. 

«Damals hätte man eine langfristige Strategie entwickeln müssen», sagt Lukas Niederberger. Der ehemalige Jesuit hatte einst selbst das Haus geleitet und sich bereits vor einem Jahr mit einer von über 5000 Personen unterzeichneten Petition für den Erhalt der Institution eingesetzt. «Ich bin mir sicher, man hätte das Lassalle-Haus retten können.»

Kein Spekulationsobjekt 

Zum Wert der Immobilie macht der Orden keine Angaben. Ziel sei eine Lösung, die sowohl «wirtschaftlich verantwortbar ist als auch den besonderen Charakter des Ortes respektiert», so Roser. Die Liegenschaft dürfe nicht Spekulationsobjekt werden. Mit Kirchenraum und Zendo handelt es sich um ein aussergewöhnliches Objekt. Die Kapelle soll nun entweiht werden. 

Bei der Abschiedsveranstaltung Mitte Mai wurde der Lassalle-Gemeinschaft noch ein besonderes Geschenk gemacht. Studierende der Universität der Künste in Berlin hatten in den vergangenen Monaten einen Film über das Lassalle-Haus gedreht – für ihre Projektarbeit mit dem Titel «Untergang und Weitergang». Darin äussern sich die letzten jesuitischen Bewohner sowie dem Zentrum verbundene Menschen wie etwa die Philosophin Barbara Bleisch über diesen besonderen Ort der Stille und Einkehr. Und über den Verlust, den das Ende mit sich bringt. 

Ein schmerzvoller Prozess

Er sei bereit, sich vom Haus zu verabschieden, sagt Zentrumsgründer Brantschen im Film. «Das war ein schmerzvoller Prozess. Ich war untröstlich und musste viele Menschen trösten, die auch untröstlich waren.» 

Auch dem «Weitergang» wurde an diesem Tag Raum gegeben. Die Lassalle-Gemeinschaft soll ohne Liegenschaft bestehen und wachsen. Wie sterbende Bäume, die noch einmal besonders viele Samen produzierten, seien jetzt die Samen für diese neue Gemeinschaft gesetzt, sagte Brantschen.