Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden Anhänger der Täuferbewegung von Kirchen und Staat verfolgt, unterdrückt, eingekerkert, sogar hingerichtet. Dieses rigorose Vorgehen ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Trotzdem dauerte es sehr lange, bis offizielle Entschuldigungen ausgesprochen wurden.
Erst 2017 sprach Christoph Neuhaus im Namen des Berner Regierungsrats eine Bitte um Vergebung aus. Zwei Jahre später nahmen die Mennoniten die Entschuldigung an. In der Nacht der Religionen vor fünf Jahren sagte Neuhaus, der noch immer im Amt ist, zu jenem Moment: «Es war einer der prägendsten, berührendsten, ja herzergreifendsten Anlässe, die ich als Regierungsrat erleben und mitgestalten durfte. Einfach unvergesslich.»
Erst während seiner Amtszeit als Kirchendirektor erkannte Neuhaus, dass im Kanton Bern zwar das Täuferjahr in Erinnerung an das historische Geschehen begangen worden war, die amtierende bernische Regierung zu den einstigen Machenschaften aber geschwiegen hatte.
Endlich aufrecht gehen
Der Schritt zur Entschuldigung sei richtig und wichtig gewesen, sagt Christoph Neuhaus. Und ist dankbar, ihn gemacht haben zu können. «Denn als ein hochbetagter Mann mir danach sagte, endlich könne er als Täufer wieder aufrecht in die Kirche und wieder hinaus gehen, realisierte ich den Wert dieser vergleichsweise bescheidenen Geste.»
Die reformierte Kirche im Kanton Zürich machte den Schritt zur Versöhnung 2004, jenem Jahr, in dem der 500. Geburtstag von Reformator Heinrich Bullinger gefeiert wurde. Sie hielt fest: «Wir bekennen, dass die damalige Verfolgung nach unserer heutigen Überzeugung ein Verrat am Evangelium war und unsere reformierten Väter in diesem Punkt geirrt haben.»
Öffentlich manifestierte die Kirche ihre Entschuldigung mit einer Versöhnungsfeier und brachte eine Gedenktafel an am Ort der Hinrichtung von Täufern am Limmatufer.