Die Bibel wird seit Jahrhunderten in sozialen und politischen Zusammenhängen zitiert. Warum kommt sie offenbar nie aus der Mode?
Hannah Strømmen: Die Kultur sämtlicher Denker, die für die Entwicklung Europas und der Demokratie relevant waren, zum Beispiel John Locke oder Thomas Hobbes, fusste auf dem Christentum. Dass die Bibel bis heute noch eine grosse Rolle spielt, hat wohl damit zu tun, dass in ihr die Politik der damaligen Zeit gespiegelt wird. Damals gab es keine Trennung von Politik und Religion. Das macht es leicht, sie politisch zu verwenden. Zugleich ist die Bibel eine enorm reiche Ressource. Fast jeder Blick auf die Welt, jede Lebenssituation lässt sich in ihr finden. Das macht sie so gut nutzbar.
Von unterschiedlichsten Strömungen von links bis rechts.
Die Interpretationsmöglichkeiten sind gross. In der Bergpredigt empfiehlt Jesus, dem Feind auch die andere Wange hinzuhalten. Er predigt Liebe und Frieden. Ebenso im Markusevangelium, dort sagt er, wir sollten unseren Nachbarn lieben wie uns selbst. Aber Jesus kann auch als gewalttätiger König dargestellt werden, der kommt, um den Feind zu vernichten, wie es im Buch der Offenbarung heisst.
