Auf Gemeindeebene beeindrucken die Zahlen besonders: Die 97 Kirchgemeinden leisten jährlich rund 400‘000 Arbeitsstunden, das entspricht 238 Vollzeitstellen, grösstenteils ehrenamtlich. Rund 46 Prozent dieser Arbeit wird von Freiwilligen erbracht. Ob Mittagstische für Senioren, Jugendgruppen, Besuchsdienste, Trauerbegleitung oder Deutschkurse für Migranten – es ist die unspektakuläre, kleinteilige Sozialarbeit, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und in keiner Staatsrechnung auftaucht, erklärte Marti.
Der monetäre Wert dieser Leistungen beträgt mindestens 19,8 Millionen Franken pro Jahr. Gebäude, Infrastruktur oder immaterielle Effekte wie sozialer Zusammenhalt sind dabei nicht eingerechnet. «Wir haben bewusst zurückhaltend gerechnet, um Vorwürfen der Schönfärberei vorzubeugen», betonte Marti.
Ohne Kirchen wird es teuer
Evelyn Borer ist überzeugt, dass der Staat diese Leistungen nicht ersetzen könnte, da er die Freiwilligen nicht erreicht. Ohne die Kirchen würde vieles teurer, und manche Projekte wären gar nicht realisierbar.
Auch Marti sieht das so: «Die Studie zeigt nüchtern, dass der Kanton oder die Einwohnergemeinde diese Aufgaben übernehmen müsste, wenn die Kirchen sie nicht mehr leisten. Ohne Freiwillige wird er das nicht schaffen.» Zudem stiften die Kirchen Stabilität und kulturelle Identität.
Der kirchliche Finanzausgleich wirkt dabei wie ein Hebel, der die staatlichen Mittel mehr als verdoppelt. Das ist die politische Botschaft hinter den Zahlen. Ruedi Köhli betonte, dass die Kirchen diese Leistungen seit Jahrzehnten still und im Hintergrund erbringen. «Unser Ziel ist es, mit den 10 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich weiterhin zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.»
Köhli hofft auf die Politik: Wenn man etwas Gutes tue, sollte dies akzeptiert und honoriert werden. Im Juni liegt dann die Entscheidung beim Kantonsrat.