Viele Christinnen und Christen haben sich durch den Instagram-Post von Sanija Ameti, die Schüsse auf Maria und Jesuskind, tief verletzt gefühlt. Warum trifft so etwas Menschen im Glauben so direkt?
Ralph Kunz: Weil die Handlung als solche augenscheinlich keine differenzierte Auseinandersetzung zulässt, sondern eine Provokation ist. Sie will verletzen. Nicht Maria und Jesus. Die Entweihung von etwas Heiligem trifft in erster Linie diejenigen, die sich damit identifizieren. Dass die sich darüber ärgern oder verletzt fühlen, ist zunächst nachvollziehbar. Die entscheidende Frage ist für mich aber, wie man mit der Empörung umgeht, ob man sich in einen heiligen Zorn hineinsteigert oder besonnen reagiert.
Einige schalteten die Justiz ein und beriefen sich auf den Blasphemieartikel. Zu den Klägern zählten der Coronamassnahmenkritiker Nicolas Rimoldi und der Präsident der Jungen SVP Schweiz Nils Fiechter. Ist die Anzeige nachvollziehbar?
Nachvollziehbar ist sie. Aber in diesem Fall frage ich mich schon, was die Kläger dazu bewogen hat. Wenn Personen oder Gruppierungen, die selbst eine hohe Provokationsbereitschaft im öffentlichen Raum zeigen, plötzlich maximale Verletzung geltend machen, regen sich bei mir leise Zweifel. Die Frage stellt sich, ob es ausschliesslich um religiöse Betroffenheit geht.
Sie vermuten politische Motive?
Das ganze Drama hat auch eine Hinterbühne, die politisch bespielt wird. Darum bin ich skeptisch, ob hier tatsächlich ausschliesslich eine tiefe religiöse Verletzung im Vordergrund steht oder ob es nicht auch ein Interesse gibt, den Skandal auszuschlachten, die Sache eskalieren zu lassen und dabei gezielt negative Gefühle zu schüren.
