Mittwochnachmittag im Langhuus in Cham. Vor dem Haus geht Sherzad auf und ab, etwas nervös, etwas ungeduldig. Vier Monate ist er in der Schweiz, heute bekommt er sein erstes Velo. Immer wieder schaut er zur Tür, dann wieder auf den Platz, als könnte es plötzlich verschwinden, dieses Versprechen auf Mobil- Sein- Können und Bewegung.
Drinnen, in der kleinen Werkstatt, hat Andrea Dahinden rund drei Stunden daran gearbeitet, Bremsen nachgezogen, Kette geölt, alles geprüft. Jetzt steht es bereit. Sherzad lächelt vorsichtig, als er es entgegennimmt. «Sehr dankbar», sagt er in gebrochenem Deutsch.
Bevor er losfahren darf, muss er zeigen, dass er fahren kann. Annette Plath steht daneben und schaut genau hin. «Wer es noch nicht kann, muss es lernen», sagt sie. Sherzad steigt auf, fährt an, erst vorsichtig, dann sicherer. Eine Runde, zwei Runden. Dann ein breites Grinsen, eines, das bleibt.
In der Werkstatt
In der Werkstatt ist es eng. Metall klirrt, eine Kette schleift, irgendwo tropft Öl. Es riecht nach Gummi, nach Schmierfett, nach Arbeit. Ein junger Mann schiebt sein Velo hinein, Unfall, sagt er, die Kette sei verbogen.
Andrea Dahinden wirft einen kurzen Blick darauf, schüttelt leicht den Kopf. «Das sieht eher so aus, als hätte er selbst versucht, es zu flicken.» Kein Vorwurf in der Stimme, eher eine Feststellung. Sie spannt das Velo in den Werkstattbock, beginnt zu arbeiten, ruhig, präzise, routiniert. Jeder Handgriff sitzt.
