Der Basler Reformator Oekolampad hätte die Stirn gerunzelt. Denn direkt neben seinem Wirkungsort wird die Münsterpfarrerin Caroline Schröder Field im Ostergottesdienst einen Witz erzählen.
Sie greift damit eine mittelalterliche Tradition auf, die Oekolampad entschieden ablehnte: das «Risus paschalis», das Osterlachen. Damals brachten Geistliche ihre Gemeinde an Ostern mit Witzen und Possen zum Lachen. Für Oekolampad war das untragbar. Doch heute erlebt der Brauch eine Renaissance.
So auch im Basler Münster. Der 27-jährige Vikar Felix Berki hat das Osterlachen initiiert. Für ihn gehören Humor und Witz zum Leben. Sie erleichtern vieles, besonders in Beziehungen oder Freundschaften. Selbst in schwierigen Momenten, wenn Worte fehlen, hilft Humor, Probleme zu relativieren und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Viele Erwachsene verlernen das, meint Berki. Kinder lachen gemäss Studien bis zu 400-mal am Tag, Erwachsene nur rund 15- bis 20-mal.
Lachen erfüllte das ganze Münster
Auf der Suche nach einem Osterwitz organisierte Berki einen Humor-Workshop mit dem Titel «Gold, Weihrauch und Möhren». Es kamen etliche Besucher. Mit dabei: die Allgemeine Lesegesellschaft Basel, die Basler Schnitzelbangg Gesellschaft, Pia Inderbitzin, ehemalige Obfrau des Basler Fasnachtscomités, die katholische Kirche Basel-Stadt und viele andere. Höhepunkt war eine Lachmeditation mit Pfarrerin Monika Widmer. Nach dem Motto «Fake it till you make it» brachte sie die Teilnehmer zum Lachen, bis das ganze Münster widerhallte, erzählt Berki.
Das Osterlachen war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit in Teilen Europas verbreitet. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn Christus den Tod besiegt, darf gelacht werden – ja, man soll es sogar. Der Tod, so die Logik, ist der Verlierer und wird ausgelacht.
