Vom Glück, die eigenen Grenzen zu verschieben

Extremsport

2026 war ein Sommer voller Höhepunkte. Für Redaktorin Veronica Bonilla der eindrücklichste: der Ironman in Thun. 

Nur Verrückte tun so was: Davon war ich felsenfest überzeugt. Kein vernünftiger Mensch will freiwillig an einem einzigen Tag 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren (inklusive 2000 Höhenmeter) und dann noch einen Marathon laufen. Vor allem nicht mitten im Sommer und bei jedem Wetter. Wer es schafft, darf sich Iron(wo)man nennen. Ja, auch Frauen unterziehen sich einer solchen Tortur.  

Und dann stehe ich an einem Sonntag im Juli morgens um 6.30 Uhr auf dem noch taufeuchten Rasen im Strandbad Thun. Ich schaue zu, wie sich 2132 Athletinnen und Athleten in schwarzen Neoprenanzügen und grasgrünen Badekappen wie ein vor Anspannung, Adrenalin und Konzentration pulsierender Wurm zum Wassersstart bewegen. Antreibende Musik ertönt. «Don’t stop believin’», singt eine Frauenstimme. «Yes, halt an deinem Glauben fest», ruft der Moderator ins Mikrofon. Das zahlreiche Publikum klatscht, jubelt.

Mitten in der Menschenmenge ist mein ältester Sohn Lión. Es ist sein erster Ironman, er hat den Ausdauer­sport erst vor Kurzem entdeckt. Freundin, Familie, Kollegen, wir alle halten Ausschau nach ihm. «Dort ist er!», ruft jetzt meine Tochter. Auch er hat uns gesehen, schlängelt sich durch die Menge zu uns, eine letzte Umarmung. Fast surreal geht hinter dem Niederhorn in diesem Moment die Sonne auf, taucht Eiger, Mönch, Jungfrau, Blüemlisalp und Niesen in goldenes Licht. «Kneif mich», sage ich zu meiner Tochter, die neben mir steht, «damit ich weiss, ob ich träume.»

Die folgenden Stunden sind auch für uns Zuschauende eine emotionale Achterbahnfahrt. Wann kommt er endlich aus dem Wasser? Schafft er es rechtzeitig? Wie geht es ihm wohl? «Super gemacht! Weiter so!», rufen wir denjenigen zu, die bereits auf dem Weg zur Wechselzone sind, um aufs Velo umzusteigen. Wir feuern die Sportlerinnen und Sportler an, ermutigen, klatschen Beifall, freuen uns, wenn sie lachen oder winken. Und immer wieder staunen wir, wozu diese längst nicht nur jungen Frauen und Männer fähig sind. Wie krass, dass so viele Menschen bereit sind, mit eiserner Willenskraft eine enorme körperliche Leistung zu erbringen, an die eigenen Grenzen zu gehen, um sie ein Stück weit zu verschieben.

16 ereignisreiche Stunden später sind Freude, Glück, Stolz und Dankbarkeit für dieses unvergessliche Erlebnis bei uns allen riesig. Lión, you’re an Ironman!