Schön eingerichtet

Literatur

Auf ihren Lesereisen eignet sich die Schriftstellerin Dana Grigorcea Zimmer um Zimmer, Stadt um Stadt an und übt sich in der Lebenskunst, es sich schön einzurichten.

Wie viel Besitz braucht ein Mensch, um sich die Welt zu eigen machen zu können? Die Frage stellt sich mir besonders auf Lesereisen. Zuletzt bereiste ich mit einem kleinen Handkoffer die drei deutschsprachigen Länder und Frankreich. In jedem Hotel prüfte ich erwartungsfroh die Zimmeraussicht und die Bettkissen. «Die Autorin schätzt Unterkünfte mit Charme», schreibt mein Verlag an die Veranstalter.

Die Ordnung der Dinge

Mal hatte ich Meerblick, in Innsbruck ein Zimmer mit Schaukel, anderswo das zerknautschte Gesicht eines alten Schriftstellers auf den Kissenbezügen. An jedem Ort packe ich andächtig meinen Koffer aus und richte mich ein, versuche, meinen Besitz in eine magische Anordnung zu bringen, in jeder Stadt die gleiche Übung im Anverwandeln eines Zimmers.

Mein Vorbild in Sachen Lebenskunst war meine Grossmutter Rodica, deren Geschichten über das Anwesen ihrer Kindheit mit den Kletterrosen auf den Eingangssäulen genauso voller Behaglichkeit waren wie die über das Leben nach der staatlichen Enteignung im Kommunismus, als sie in einer Garage wohnte und ihr emailliertes Wännchen punktgenau neben den Stuhl hingeschoben hatte, um die vom Bein abgestreiften Flöhe darin zu ertränken. Ich sehe uns noch zusammen den Tisch decken und wie sie mit seligem Lächeln die Servietten faltet.

Kirschblüten und Laternen

Es braucht nicht viel, um es sich schön einzurichten auf der Welt. Letztens besuchte ich meine Kindheitsfreundin in Paris. Sie wohnt im Zentrum, in einem verwunschenen Haus mit kleinem Innenhof, ist aber seit Kurzem Witwe und lebt klamm, mit zwei Kindern. 

Zur Feier meines Besuchs hat sie ihren Innenhof geschmückt, Leuchtlaternen in den noch kahlen Bäumen befestigt, den steinernen Tisch weiss gedeckt und darauf einen riesigen Blumenstrauss mit Kirschblüten gestellt, denn auf meinem neuen Buchcover sind Kirschen. Und es war um uns genau jene magische Anordnung der Dinge, dass ich mich fühlte wie heimgekehrt am ersehnten Ort.

Das Funkeln der Scherben

In der Nacht zog ein Sturm auf und zerschmetterte die Gallé-Vase. Meine Freundin tröstete mich über den Verlust ihrer Vase, das sei der Gang aller Dinge, wir hätten sie ja zusammen gesehen, mit Kirschblüten, und jetzt auch das schöne Funkeln der Scherben.