Der Kosovo war für Filmemacherin Dea Gjinovci lange ein unbekanntes Land, die Bilder, die von der Heimat ihres Vaters in ihrem Kopf entstanden, basierten vor allem auf seinen Erzählungen. Als junger Mann flüchtete er Ende der 60er Jahre in die Schweiz, liess Eltern und Geschwister zurück und begann in Genf ein neues Leben. Doch die Vergangenheit des Vaters lässt die Tochter nicht los. 2017 besuchten beide für den Kurzfilm «Without Kosovo» Stationen seiner Flucht. Neun Jahre später, kehrt die Tochter mit dem Vater in sein Dorf zurück, begibt sich auf die Suche nach den Spuren seiner Kindheit.
Die Form, die Dea Gjinovci für ihren 70-minütigen Film «La beauté de l`âne» wählt, ist experimentell. Filmwissenschaftlerin Tanja Simeunovic beschreibt sie bei einer Vorführung mit anschliessendem Regiegespräch in Winterthur Mitte Mai als eine Dokufiktion. Da sind zum einen die Szenen einer klassischen Dokumentation: Etwa wenn Asllan Gjinovci auf der Wiese im Dorf Makërmal, auf der einst sein Elternhaus stand, nicht einmal mehr Mauerreste finden kann. «Alle Häuser aus Stein hat der Krieg weggefegt. Mir bleibt nur die Erinnerung», sagt er. Zum anderen bedient sich die Regisseurin Szenen, die ans Theater erinnern. Da, wo einst das Steinhaus ihres Vaters stand, lässt sie eine Bühne bauen, ein offenes Holzhaus und spielt sowohl dort als auch in der Natur mit den heutigen Bewohnern von Makërmal einzelne Episoden aus der Kindheit von Asllan nach.
