Ich liege im Bett meiner Oma, da zittern Wände und Fussboden, es ertönt dumpfes Grollen. «Was ist das?», stupse ich die Grossmutter an. «Das sind die Panzer vom Amerikaner, schlaf weiter», sagt sie. Die nächtliche Truppenbewegung hinter dem Haus ist eine meiner frühesten Erinnerungen. «Der Amerikaner» war in meiner Kindheit recht präsent. Etwa in den Erzählungen meiner Oma, die nach ihrer Flucht aus Polen «beim Amerikaner» arbeitete. Im Dorf, in dem sie ankam, kochte sie für Journalisten der Zeitung «Stars and Stripes». Später verkaufte sie US-Magazine an einem Kiosk. Nicht allen ha-be es gepasst, dass sie für die Besatzer arbeitete, erzählte mir später meine Mutter. Doch meine Oma sprach stets wertschätzend von den Journalisten und Soldaten, die sie freundlich aufnahmen.
Geboren in den 70ern, bekam ich die wichtigsten Meilensteine der deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht mit: die Luftbrücke, mit der die USA die Unabhängigkeit Westberlins sicherten. Den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder, das dank des Marshallplans möglich wurde. In den 80ern hatten sich die USA längst von der Besatzungsmacht zur Schutzmacht gewandelt. Die Bevölkerung war zwar nicht mit allem einverstanden, was die Amerikaner, unterstützt von der Bundesregierung, trieben. Die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen rief 1983 grosse Proteste hervor.
