Wenn Simona Zakkur nachts im Bett liegt, hört sie das Dröhnen der israelischen Kampfjets so laut, als ob die Flugzeuge direkt durch ihr Schlafzimmer flögen. Die Raketeneinschläge knallen dumpf in der Ferne, ihre Fenster klirren, manchmal beben die Wände des alten Hauses im Südlibanon.
Die Nacht brennt
Im Nachbardorf erwacht dann auch Milagros al Fhaily, und ihre zwei Hunde bellen. Irgendwann später, im Morgengrauen, öffnet sie Whatsapp und schreibt Simona: «Habibi, wie geht es dir?» Nach besonders lauten Nächten schickt sie ihr einen Ausdruck, den Milagros und andere im Libanon eigentlich brauchen, wenn sie an einer guten Party tanzen. «Leila walaana, Babe»: Die Nacht ist am Brennen.
Dann ziehen die beiden los. Wie immer von Montag bis Donnerstag, begeben sie sich auf die unsicheren Strassen, immer zu zweit. Simona Zakkur (38) ist verheiratet, Mutter eines Buben und zweier Mädchen und gelernte Krankenpflegerin. Milo, wie sie ihre neun Jahre jüngere Freundin nennt, hat Umweltwissenschaften studiert. Auf dem Sperrbildschirm des Telefons ein Foto von ihr in einem dunkelroten langen Kleid. Sie trug es an der Verlobung mit ihrem Freund, der für die Arbeit nach Afrika ging, wie so viele junge Libanesen, die in ihrer Heimat längst keine Zukunft mehr sehen.
Die unsichtbare Grenze
Die beiden Frauen fahren im Auto los, um alte Menschen zu besuchen. Weil sie wollen, dass diese in ihren Heimatdörfern rund um die Ortschaft Marjayoun bleiben können.
