Eine Lehrerin trägt im Schulunterricht ein Kopftuch: Was bedeutet dieses Signal für Sie persönlich?
Serap Kahriman: Sie bekennt sich damit zum Islam, ihrem Glauben.
Beeinflusst dieses Bekenntnis die Art, wie die Lehrerin unterrichtet?
Ich sehe das relativ entspannt. Die Lehrerin wurde in der Schweiz ausgebildet und ist der Professionalität verpflichtet. Lehrerinnen und Lehrer haben wie alle anderen Personen in diesem Land eine Identität, die sichtbar sein darf.
In Eschenbach protestierten Eltern gegen die Anstellung einer Lehrerin, die ein Kopftuch trug. Der Regierungsrat und das Parlament des Kantons St. Gallen wollen nun das Volksschulgesetz anpassen. In Zürich ist eine Motion hängig.
Es gibt fast keine Lehrerinnen, die mit Kopftuch unterrichten wollen. Wir haben es mit einer Phantomdiskussion zu tun. Viel interessanter ist, was hinter der Debatte steckt: antimuslimischer Rassismus. Die Frage ist für mich nicht, weshalb eine Lehrerin ein Kopftuch trägt, sondern warum die Politik sie so anders behandelt als jene Lehrerinnen, die sich zu einem anderen Glauben bekennen. Wir sollten vielmehr darüber debattieren, warum wir es als Gesellschaft nicht aushalten, dass eine Lehrerin ein Kopftuch trägt.
Viele Menschen fühlen sich vom Kopftuch provoziert.
Ich nicht. Ich bin in einem liberal muslimischen Haushalt aufgewachsen. Seit meiner Kindheit kenne ich Frauen, die ein Kopftuch tragen. Ich projiziere nichts Problematisches auf das Kopftuch.
