Als wären Armut und Bürgerkrieg nicht bereits genug

Nothilfe

Nach dem verheerenden Erdbeben in Südostasien von Ende März ist Myanmar auf internationale Hilfe angewiesen. Auch das Heks ist mit einem Team vor Ort und leistet Soforthilfe.

Unmittelbar nach dem schweren Erdbeben Ende März hat das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) mit seiner Partnerorganisation PDN (Parami Development Network) in Myanmarein erstes Nothilfeprogramm gestartet. Das Heks ist seit mehreren Jahren mit verschiedenen lokalen Partnern in den Dörfern um den Inle-See tätig. 

Allein in diesem Gebiet rund 150 Kilometer von der Stadt Mandalay entfernt, dem Epizentrum des Bebens der Stärke 7,7, seien unzählige traditionelle Häuser eingestürzt, schreibt das Heks in einer Mitteilung. Man gehe davon aus, dass dort über 300 Menschen ihr Leben verloren haben. Im ganzen Land starben laut offiziellen Angaben mehr als 3000 Menschen, über 4600 Personen wurden verletzt.

Unsere Unterstützung konzentriert sich besonders auf Familien mit schwangeren Frauen, kleinen Kindern, älteren Menschen und solchen mit einer Beeinträchtigung.
Francesco Melara, Heks-Mitarbeiter in Myanmar

In einer ersten Phase erhalten rund 3000 vom Beben besonders betroffene Haushalte eine Unterstützung von 85 US-Dollar pro Haushalt, um sich mit lebensnotwendigen Gütern versorgen zu können. Heks wird die Verteilung der Bargeldhilfe überwachen. «Wir konzentrieren uns besonders auf vulnerable Familien, zum Beispiel Familien mit schwangeren Frauen, kleinen Kindern, älteren Menschen und solchen mit einer Beeinträchtigung», schreibt Heks-Mitarbeiter Francesco Melara, der die Hilfe vor Ort koordiniert auf eine Anfrage von «reformiert.» 

Nach der Soforthilfe werde eine umfassendere Unterstützung nötig, insbesondere für den Wiederaufbau der Häuser. «Die Auswirkungen des Erdbebens werden die Gemeinden noch lange beeinträchtigen.» 

Krisengebeuteltes Land

Myanmar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit dem Militärputsch von 2021 herrscht im Land ein Bürgerkrieg. Das Erdbeben verschärft die ohnehin kritische wirtschaftliche und soziale Situation. Bereits davor war ein Drittel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Militärregime hat nach dem Beben um internationale Unterstützung bei der Bewältigung der Katastrophe gebeten – ein Novum für das stark abgeschottete Land, zu dem auch internationale Medien kaum Zugang haben. 

Chinesische, russische und indische Rettungskräfte waren sofort vor Ort. Mittlerweile sagten weitere Länder Unterstützung zu, Hilfswerke sammeln Spendengelder. 

Auch das Schweizer Aussenministerium stellt 2,5 Millionen Franken bereit. Die Mittel sollen für Notunterkünfte, Trinkwasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung eingesetzt werden. Zur Unterstützung der UNO-Organisationen werden überdies mehrere Fachpersonen entsendet, die beispielsweise die Sicherheit von Staudämmen überprüfen sollen.