Sie forschen zur Nutzung digitaler Technologien in Glaubensgemeinschaften. Wofür haben Sie zuletzt bewusst KI genutzt?
Thomas Schlag: Zur Vorbereitung auf das Thema «Digitales Abendmahl». Ich habe mir von ChatGPT Argumente dafür und dagegen geben lassen. Die meisten waren mir bekannt. Aber manchmal gibt es einzelne Punkte, die interessant sind. Auch bot die KI einen Überblick zur Haltung verschiedener christlicher Religionsgemeinschaften zur Abendmahlsfrage an. Die KI-Ergebnisse nehme ich als Abgleich und Grundlage für meine weitere Vorbereitung.
Ist diese Offenheit für KI auch innerhalb der Kirche verbreitet?
Das kommt auf die Akteure an. Für eine qualitative Studie führten wir Interviews mit 20 leitenden Personen der Kirche, darunter Pfarrpersonen und Personal aus kirchlichen Abteilungen. Die Gruppe war recht KI-affin, und wir spürten eine hohe Sensibilität für Möglichkeiten, aber auch Gefahren. In der Administration dürften Mitarbeitende KI inzwischen in ähnlichem Umfang nutzen wie in Unternehmen. Beispielsweise für die Kommunikation. Die grösste Zurückhaltung sehe ich in Kirchenpflegen. Pfarrpersonen berichten teils von grossen Vorbehalten auf kirchgemeindlicher Leitungsebene. Das könnte oft mit dem Alter oder den eher traditionellen Einstellungen von Kirchenpflegemitgliedern zusammenhängen.
