Obwohl die Zahl der gestellten Asylgesuche rückläufig ist, bewegen die Themen Asyl, Flucht und Migration viele Schweizerinnen und Schweizer weiterhin. Hinter den Krankenkassenprämien und der Altersvorsorge liegt das Migrationsthema auf dem dritten Platz des Sorgenbarometers. Auch auf dem politischen Parkett sind die Migration und die Integration Dauerbrenner. 2018 hatte der Bund verschiedene Initiativen angekündigt.
Bis 2021 werden zwei Pilotprojekte lanciert: Eine einjährige praxisorientierte Integrationsvorlehre, die jährlich 800 bis 1000 Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden offensteht. Sie können ein Brückenjahr in einem Berufsfeld und Praktika besuchen. Voraussetzung sind die entsprechenden schulischen und sprachlichen Kompetenzen. Hinzu kommt die «frühzeitige Sprachförderung». 800 Asylsuchende, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Schweiz bleiben können, sollen möglichst bald Intensivsprachkurse besuchen.
Wichtig ist auch, dass die Kantone unterstützt werden, um eigene Integrationsprojekte zu lancieren. Die bisherige Integrationspauschale wird deshalb von 6000 auf 18 000 Franken erhöht, sofern die Kantone überzeugende Projekte vorlegen.
Der Bund in der Offensive
Bisher sind von den vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden mit einem siebenjährigen Aufenthalt 87 Prozent von der Sozialhilfe abhängig. Integrationsbemühungen sollen die Quote und damit auch die Kosten senken. Der Bund hofft, dass sich die zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel nach zwölf Jahren amortisiert haben werden.
Hintergrund der Integrationsoffensive ist die Arbeitsmarktstatistik, die sogar bei den anerkannten Flüchtlingen eine hohe Erwerbslosenquote ausweist: Nach zehn Jahren haben lediglich 48 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge eine Stelle, bei den vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden sind es nur 25 Prozent. Das liegt nach den Experten des Bundes weit unter dem Potenzial der Personen, die für eine Integration in den Arbeitsmarkt geeignet wären. Rund 70 Prozent der anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge im Alter von 18 bis 65 Jahren wären nach Annahme des Bundes dazu fähig.
Als Grund, weshalb Asylsuchende so schwer Zugang finden zum Schweizer Arbeitsmarkt, wird oft das lange Asylverfahren genannt. 400 Tage wartet ein Flüchtling im Durchschnitt auf den Entscheid. Seit März ist in der Schweiz jetzt das neue, beschleunigte Asylverfahren in Kraft. Der neu aufgegleiste Prozess sieht vor, dass die meisten Verfahren in 140 Tagen in den Bundesasylzentren abgeschlossen werden.
