Bei welcher Gelegenheit haben Sie das letzte Mal geflucht? Wie tönt Ihr liebster Kraftausdruck? Haben Sie es als schmerzlindernd erlebt? Das wird in einer Studie behauptet. Die Probanden mussten die Hand in Eiswasser stecken. Die eine Hälfte durfte fluchen, die andere nur Worte benutzen,die einen Tisch umschreiben. Erstere konnten ihre Hände bis zu 50 Prozent länger im Eiswasser halten als Letztere. Bei Gefahr, Wut und Schmerz erhöht sich die Herzfrequenz, Adrenalin wird ausgeschüttet, die Verdauung wird verlangsamt, das Körpersystem wechselt in den Überlebensmodus. Fluchen dient dabei der Energieabfuhr, befreit aus der Ohnmacht, wirkt somit entlastend.
Es ist zu unterscheiden zwischen Kraftausdruck, Beschimpfung, Fluch und Verwünschung. Eine Tirade wüster Wörter kann befreiend wirken. Im ursprünglichen Sinne bedeutet fluchen jedoch, über eine Person oder einen Ort Unheil zu bringen. Es ist eine magische Praktik, häufig verbunden mit einer zugehörigen Geste oder einem Ritual. Der Fluchende fühlt sich ohnmächtig einem Täter ausgeliefert, alle Rechtsmittel sind ausgeschöpft. Es bleibt der Fluch als höchste Strafe, oft auch im Sinne von Rache. Meist werden Gott oder Mächte dabei angerufen. Auch in gängigen Fluchwörtern ist das so, wobei sie sich manchmal auch gegen den Fluchenden selber richten. Wie etwa bei «Gopferdammisiech»: Gott verdamme mich Siechen.
Der Fluch als eine Art Verbotsfalel
In den alten Kulturen des Mittelmeerraums spielten Flüche in religiösen Ritualen und Rechtspraktiken eine zentrale Rolle. Da eine weltliche Strafverfolgung noch schwach ausgeprägt war, wurde die Übertretung von Gesetzen über den Fluch sanktioniert. So halfen eingemeisselte Flüche auf Grab- und Grenzsteinen, Räuber und böswillige Steinverschieber abzuhalten. In Ägypten sollten Fluchformeln die Verstorbenen vor dem Zorn der Götter schützen. Und in der griechischen Mythologie werden zuweilen ganze Familien oder Städte verflucht.
Folgende Erkenntnis der Weisheitstraditionen ist zu bedenken: Jede unserer Handlungen, Worte und Gedanken beeinflusst uns selbst und unsere Umgebung. Ja, aus einem geheimnisvollen Grund bilden sie einen integralen Bestandteil des Universums. Daraus erwächst eine Verantwortung, die jede und jeder Einzel-ne zum Wohl des Ganzen trägt. Falls Sie etwas wirklich Schmerzlinderndes tun wollen, dann segnen Sie, statt zu fluchen. Sprechen Sie sich selber und anderen Gutes zu.
