Vor genau 500 Jahren, im Mai 1526, war Baden Schauplatz eines folgenreichen theologischen Schlagabtauschs der frühen Neuzeit. Der reformierte Oekolampad aus Basel diskutierte mit dem wortgewaltigen Johann Eck aus Deutschland, der bereits mit Martin Luther die Klinge gekreuzt hatte. Es ging um nicht weniger als die Deutungshoheit über den Glauben: Schriftprinzip, Bilder, Abendmahl. Doch die Badener Disputation schlichtete den entflammten Streit um den rechten Glauben nicht, sondern verhärtete die Fronten. Fünf Jahre später kam es mit der Schlacht bei Kappel zum ersten europäischen Konfessionskrieg.
Tempi passati: 500 Jahre später, am gleichen Ort in der Stadtkirche, feiert Baden den offiziellen Höhepunkt der Disput(N)ation – ein ökumenisches Jubiläumsprojekt, das seit September 2025 läuft. Beim Festakt dominieren Gesten der Nähe. Der katholische Gemeindeleiter Claudio Tomassini und sein reformierter Kollege Res Peter, die Köpfe hinter dem Projekt Disput(N)ation, fallen sich in die Arme. «Es war ein intensiver Moment», sagt Peter später und ist überzeugt: Aus einstigen Gegnern sind Partner geworden, aus Abgrenzung Zusammenarbeit. Bereits beim Festumzug, der dem Gottesdienst vorausgegangen war, wurde die Schwere der Geschichte, die dem Disputation-Jubiläum auch bei seinem Abschluss-Event innewohnt, in fröhliche Feierlichkeit aufgelöst.
