Frauen im Ringen um Religion und Rechte

Kino

Der Dokfilm «Girls & Gods»  lotet das Verhältnis von Religion und Feminismus aus. Damit bietet die Aktivistin Inna Schevchenko ein inspirierendes Panorama der Anschauungen.

Nach einem öffentlichen Disput darüber, ob der Islam mit Menschenrechten vereinbar sei, umarmt die iranische Frauenaktivistin Maryam Namazie ihre Opponentin und sagt: «Let’s hug it out!» (in etwa: «Lass es uns ‹ausumarmen› statt weiterdiskutieren, da wir uns nie einigen werden.») Denn für sie stehen gegenseitiger Respekt und menschliche Anerkennung über unauflösbaren Meinungsverschiedenheiten. Die Szene fasst den Dokumentarfilm «Girls & Gods» der ukrainischen Femen-Aktivistin Inna Shevchenko (Regie Arash T. Riahi und Verena Soltiz) in einem Bild zusammen.

Der Film beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven das Verhältnis der monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum zum Feminismus. Shevchenko trifft im Film auf verschiedene Frauen aus Europa und den USA, die sich damit befassen. Einige versuchen, ihre Religion aus einer feministischen Perspektive neu zu interpretieren: katholische Frauen, die sich zu Priesterinnen weihen lassen und damit ihre Exkommunikation in Kauf nehmen; Schweizer Theologinnen, die eine Frauenbibel geschrieben haben, oder eine muslimische Feministin, die das Kopftuch verteidigt.

Trailer «Girls & Gods»

Andere stellen ihre Religion grundsätzlich infrage oder haben mit ihr gebrochen: iranische Aktivistinnen, die gegen das Regime ihres Landes und den Islam kämpfen, oder eine jüdische Transfrau, die ihre Gemeinschaft verlassen musste. Dazu kommen die Stimmen und Werke von Künstlerinnen, die sich mit dem Thema in unterschiedlichen Ausdrucksformen auseinandersetzen: von Cartoons über Poetry Slam und Graffiti bis hin zu Tanz und Rap.

Shevchenko führt als Interviewerin durch den Film und lässt sich mit ihren Gesprächspartnerinnen auch auf harte Debatten ein, wobei sie ihre persönliche Position ins Spiel bringt. Die künstlerischen Beiträge sorgen immer wieder für willkommene Verschnaufpausen und sprechen andere Sinne an.

Der gemeinsame Kampf eint Frauen über die Religionen hinweg

Die vielen Perspektiven liefern keine einfachen Antworten, zeigen aber, dass die Frauen der Kampf um ihre Rechte und für Respekt – was auch immer sie darunter verstehen – eint. So, wie es die anfangs beschriebene Szene symbolisiert. Diese Vielfältigkeit regt zum Nachdenken an und öffnet den Blick für die verschiedenen religiösen und kulturellen Hintergründe, vor denen sich die porträtierten Frauen in ihrem feministischen Kampf bewegen.

Somit leistet der Film auch einen Beitrag zum interreligiösen Verständnis und legt Zeugnis davon ab, dass ein Ringen um die Gesellschaftsordnung auch gewaltlos möglich ist. Nämlich durch einen respektvollen und ehrlichen Diskurs – und den Glauben daran, dass Widersprüche nicht unbedingt aufgelöst zu werden brauchen, damit man sich verstehen kann.