Bald zeigen sich die Grabfelder auf den Friedhöfen wieder in sommerlichen Farben: Die verblühten Frühlingsblumen werden im frühen Juni entfernt und durch den Sommerflor ersetzt. In den grösseren Ortschaften, vor allem in den Städten, wird diese Arbeit meist im Abonnement von den Gärtnereien ausgeführt – solange es dort noch Gräber gibt. Mit der zunehmenden Säkularisierung und der schwindenden Hoffnung auf eine individuelle Auferstehung im christlichen Sinn verschwindet nach und nach auch die Gräberkultur. Stattdessen geht der Trend vermehrt dahin, die Asche in freier Natur zu verstreuen.
Doch in den Landgemeinden sind aufgehobene und zu Öko-Blumenwiesen umfunktionierte Gräberfelder noch eher die Ausnahme. Bestattet wird nach wie vor auf dem Friedhof, und oft sind es die Angehörigen selber, die die Grabstätten pflegen, dreimal im Jahr mit Pflanzschaufel und Hacke aktiv werden und für einen saisongerechten Blumenschmuck sorgen.
Bevor der Regen kommt
Wie zum Beispiel in der Gemeinde Eggiwil. Hier sind die Anpflanztage auf dem Friedhof fast so etwas wie ein gesellschaftliches Ereignis. Jetzt, an diesem bewölkten und eher kühlen Mittwoch im Juni, sind bereits zwei Frauen am Werk. Eine von ihnen trägt grüne Gummihandschuhe und schickt sich an, die Stauden, die sie von der Friedhofgärtnerei gekauft hat, ins frisch gemachte kleine Beet vor dem Grabstein ihrer Eltern einzupflanzen.
Eigentlich fänden die offiziellen Pflanztage mit Staudenverkauf vor Ort erst morgen und übermorgen statt, sagt sie und deutet zum Eingangsbereich des Friedhofs, wo schon ein grosser Anhänger bereitsteht. Er ist dicht gefüllt mit dunkelroten, hellroten und weissen Begonien. Auch ein Partyzelt hat man errichtet; hier wird die örtliche Gärtnerei wie jedes Jahr einen Stand aufstellen und Stauden verkaufen. «Wenn ich mir so den Wetterbericht anschaue, ist es aber besser, ich mache das Grab bereits heute», meint die Besucherin. «Morgen soll es ja stark regnen.»
Sie besorgt die Grabpflege schon seit Jahren, in einer Mischung aus Traditionsbewusstsein, Pflichtgefühl und ehrendem Gedenken an die Eltern. Dreimal jährlich steht eine Neubepflanzung an: «Im Frühling vor allem mit Stiefmütterchen und im Sommer mit Begonien.» Im Herbst steckt sie kurze, selbst geschnittene Buchs- oder Tannenzweige ein, dazu kommen noch ein paar Erikastauden. Unverwüstliches also, das den Winter überdauert.
Reger Betrieb
Zwei Tage später, bei Sonne und angenehmer Temperatur: Das gemeinschaftliche Anpflanzen in Eggiwil ist voll im Gang. Die Parkplätze sind alle belegt. Frauen mit Töchtern, Männer, Ehepaare, ältere, jüngere – alle sind sie am Werk und bestücken die Gräber ihrer Angehörigen mit Sommerflor. Man nimmt sich am Blumenstand, was man braucht, bringt den allenfalls verbleibenden Rest zurück und zahlt erst am Schluss, ganz unkompliziert auf Vertrauensbasis.
