Glaube 01. April 2026, von Jered Weber-Johnson

Die trotzige Hoffnung

Theologie

Pfarrer Jered Weber-Johnson aus Minnesota schreibt, wie die Erzählung von der Auferstehung Kraft gibt für den Widerstand gegen eine Ideologie, welche die Gesellschaft spalten will.

Der Glaube an die Auferstehung Jesu war mir in letzter Zeit oft eine Stütze. Wie viele Medien und auch «reformiert.» intensiv berichteten, besetzen Beamte der Einwanderungsbehörde seit Dezember meinen Heimatstaat Minnesota. Sie richten Chaos an, verschleppen und deportieren Nachbarn, die viel-fach legal im Land sind, sie ermordeten gar Bürgerinnen und Bürger auf offener Strasse.

Viel Wut, Trauer und Angst

Die Beamten werden zunehmend abgezogen, aber ihre Präsenz hat viel Wut, Trauer und Angst hinterlassen. Die Besetzung ist nicht vorbei, ihre Ziele werden weiterhin verfolgt. Wir leben noch immer unter einer Bundesregierung, die sich wiederholt zu den Grundsätzen des weissen christlichen Nationalismus bekannt hat – einer Ideologie, die anhand einer eng gefassten, rassistisch geprägten Definition von Staatsbürgerschaft festlegt, wer zu unserem Land gehört und wer nicht. Dieses Übel gedeiht aus Angst, Gewalt und Dominanz und erfordert unseren unermüdlichen Widerstand. Und so habe ich mich immer wieder der Wahrheit der Auferstehung Jesu zugewandt, als Quelle der Kraft für mein eigenes Engagement.

Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass Jesus durch die Besatzungsmacht Rom hingerichtet wurde, während das eigene Volk Widerstand leistete. Die Ermordung Jesu war in Tat und Wahrheit ein Akt der politischen Einschüchterung und die Kreuzigung ein Mittel, um den Widerstand mit grauenvoller Gewalt und Macht zu unterdrücken.

Die Kraft der Liebe

Die Auferstehung Jesu aber steht für die Niederlage des Imperiums, das sich mit Tod und Angst verbündet. Es obsiegt die Kraft der Liebe Gottes. Der verstorbene Reverend James Cone, Vater der sogenannten Black Theology, schreibt in seinem zentralen Werk «The Cross and the Lynching Tree», es gebe eine tiefe Verbindung zwischen dem Tod Jesu und der systematischen Ermordung marginalisierter Menschen überall auf der Welt. Nicht zuletzt den Lynchmorden an schwarzen Amerikanern, die Ausdruck jenes Bösen sind, das der weisse christliche Nationalismus und die weisse Vorherrschaft verkörpern.

Der Autor

Jered Weber-Johnson ist Pfarrer der St. John the Evangelist Episcopal Church in Saint Paul und Dekan der östlichen Metro-Region der Episkopalkirche in Minnesota.

Doch Cone sagt auch: «Das Evangelium Jesu ist kein rationales Konzept, das sich in einer Erlösungstheorie erklären lässt. Sondern eine Geschichte über Gottes Präsenz durch die Solidarität Jesu mit den Unterdrückten, die zu dessen Tod am Kreuz führte. Was zur Erlösung führt, ist der Glaube, dass Gott aus der Niederlage den Sieg, aus dem Tod das Leben und aus der Verzweiflung die Hoffnung hervorbringt.» 

Die Auferstehung Jesu erklärt ein für alle Mal, dass den Mächten dieser Welt, welche die Geschöpfe Gottes durch Angst und Gewalt beherrschen, einschüchtern und vernichten wollen, Widerstand geleistet werden kann und muss. Die allererste Zeugin der Auferstehung im Johannesevangelium ist Maria Magdalena. Nachdem ihr der Auferstandene begegnet war, sagte sie zu den Jüngern: «Ich habe den Herrn gesehen!» (Joh 20,18).

Das Zeugnis der Frauen

Es ist mir sehr bewusst, dass die ersten Zeuginnen der Auferstehung Frauen waren. Die Wahrheit, dass «Gott aus der Niederlage den Sieg, aus dem Tod das Leben und aus der Verzweiflung die Hoffnung hervorbringt», diese Wahrheit, ohne die wir keine Kirche hätten, wird von jenen verkündet, die damals und leider auch heute noch oft missachtet, kleingemacht und übersehen werden.

Auch in Minnesota leiteten in den vergangenen Wochen Frauen kraftvoll den Widerstand und trieben ihn massgeblich voran. Oft waren es Organisatorinnen, Aktivistinnen und ganz einfach Nachbarinnen, die Netzwerke auf die Beine stellten, um schnelle Hilfe zu ermöglichen. Die sich kümmerten, die Essen und finanzielle Unterstützung zu Bedürftigen brachten. Ihre beeindruckende Arbeit und ihr Zeugnis hallen nach in der Verkündigung der Auferstehung durch Maria Magdalena: «Ich habe den Herrn gesehen!»

In der Nachfolge

Im Matthäusevangelium erklärt Jesus den Jüngern in einem Gleichnis, dass sie ihm begegnen, wenn sie den Armen Essen gäben, Kranke oder Inhaftierte besuchten. Jedes Mal, wenn sie «einem der geringsten Brüder» (Mt 25,40) dienten, begegneten sie Jesus selbst. Darum ist in diesen Tagen jeder Akt des Widerstands, jedes ausgelieferte Essen, jeder gesammelte Dollar, jeder aufgenommene und beschützte Einwanderer, jedes Mal, wenn Bürger sich zwischen die Ausgegrenzten und die Gewalt einer Staatsmacht wie der unseren stellen, eine Begegnung mit dem Auferstandenen.

Zeugnis von diesen Begegnungen abzulegen, bedeutet, sich Maria Magdalena und den Frauen anzuschliessen, die als Erste dem auferstandenen Christus begegnet sind, sowie den vielen Frauen und Männern von heute, die in meiner Stadt und meinem Bundesstaat friedliche und bisweilen sogar freudige Akte des Widerstands anführen. Es bedeutet, in trotziger Hoffnung auf die Auferstehung zu verkünden: «Ich habe den Herrn gesehen!» 

Übersetzung: Cornelia Krause