Gesellschaft 04. Februar 2026, von Marius Schären

Erstes Berner Hospiz für Erwachsene eröffnet im Sommer

Seelsorge

Nach Einsprachen zum urspünglich geplanten Standort gibt es jetzt eine Ausweichmöglichkeit: Im Sommer geht in der Bundesstadt das erste Erwachsenenhospiz des Kantons in Betrieb. 

Ab dem kommenden Sommer gibt es Platz im ersten stationären Erwachsenenhospiz im Kanton Bern. Neun Zimmern sollen mithelfen, eine Lücke im Versorgungsangebot zu schliessen, heisst es in einer Mitteilung der Stiftung Hospiz Mon Soleil Bern. Denn der gesamte Bedarf wird auf rund 50 Hospizplätze geschätzt, die über alle Berner Regionen verteilt sein sollten.

Den Betrieb wird das Hospiz in der «Oranienburg» mitten in der Stadt aufnehmen. Die Liegenschaft gehört der Stiftung Diaconis. Mit ihr unterzeichnete die Hospiz-Stiftung eine Nutzungsvereinbarung.

Wozu ein Hospiz?

Ein Hospiz nimmt Patientinnen und Patienten in ihrer letzten Lebensphase auf, wenn eine Behandlung im Spital nicht mehr notwendig und die Betreuung zu Hause oder in einem Pflegeheim nicht möglich ist. Das sind nicht immer ältere, sondern oft auch Menschen im Erwerbsalter. Als stationäre Einrichtung vereint ein Hospiz Palliativversorgung und Sterbebegleitung in einem persönlichen, umsorgenden Umfeld. Sterbende und Angehörige können sich sicher und geborgen fühlen, Mitarbeitende auf Bedürfnisse eingehen.

«Wir sind sehr froh, dass wir für die Pilotphase des Hospiz Bern in der Oranienburg einen guten Standort gefunden haben und nun in wenigen Monaten starten können», sagt Regula Mader, Präsidentin der Stiftung Hospiz Mon Soleil Bern. Sie betont, das Hospiz Bern stehe allen Menschen offen – unabhängig von Glauben sowie sozialer oder kultureller Herkunft

Einsprachen erforderten Alternativstandort

Ursprünglich war als Standort das ehemalige Alters- und Pflegeheim Mon Soleil im Berner Länggassquartier vorgesehen. Doch gegen die Umbauarbeiten wurde Einsprache erhoben, das Projekt verzögerte sich. Jetzt ist bis auf Weiteres eine Umnutzung als Gross-WG vorgesehen.

Der neu gewählte Standort biete den Patienten und ihren Angehörigen einen angrenzenden Garten sowie Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume, heisst es in der Mitteilung weiter. Hauswirtschaftliche Dienstleistungen und die Verpflegung wird die Stiftung Diaconis übernehmen. Das Betriebskonzept liege vor, zurzeit ist die Rekrutierung der Mitarbeitenden im Gang. 

Das ist ein wichtiger Schritt zur Ergänzung im Angebot von Palliative Care.
Claudia Graf, Beauftragte für Spezialseelsorge und Palliative Care bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn

Das Hospiz Bern ist eines von drei dreijährigen Pilotprojekten der kantonalen Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI). Die GSI hat eine Spezialfinanzierung zugesichert, damit alle Menschen Zugang zu einem Hospizaufenthalt erhalten – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation. Bei der Finanzierung seien noch «letzte Punkte in Verhandlung». Klar ist aber: Die Stiftung Hospiz Mon Soleil Bern bleibt auf Spenden angewiesen. Eine Anschubfinanzierung des Kantons Bern gibt es nicht. 

Freude bei den Landeskirchen 

Claudia Graf ist bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) Beauftragte für Spezialseelsorge und Palliative Care. Sie freut sich über die Eröffnung des Hospizes im kommenden Sommer. «Das ist ein wichtiger Schritt zur Ergänzung im Angebot von Palliative Care», sagt Graf. Für die Sorge um pflegebedürftige Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen Erkrankungen und deren Angehörige arbeitet sie eng mit den katholischen und christkatholischen Landeskirchen sowie den jüdischen Gemeinden zusammen unter dem Dach der Interkonfessionellen Konferenz (IKK).

In deren Rahmen ist auch vereinbart, dass die katholische Kirche Stellenprozente für die Seelsorge im Hospiz bereitstellt, während die reformierte Kirche Stellenprozente in den Mobilen Palliativdiensten finanziert. Menschen zu begleiten, wenn es um die Endlichkeit des Lebens geht, sei wichtig, hält Claudia Graf fest. «Hier können wir bei spirituellen Fragen unterstützen und da sein für die Menschen.» 

Wo bereits Hospize bestehen

Im Kanton Bern sind zurzeit in der Interessengemeinschaft Hospiz Kanton Bern fünf Projekte vereint: im Jura, Seeland, Schwarzenburgerland, Oberland (alle in Planung) und eben jenes in der Stadt Bern. Der Dachverband Hospize Schweiz listet weitere bestehende auf in den Kantonen Aargau, Luzern, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Wallis (zwei) und Zürich. Zudem gibt es das Kinderhospiz Allani in Bern (seit 2024). 

Gemäss der Berner Interessengemeinschaft ist die «lückenhafte Finanzierung» ein Hauptgrund für die erst wenigen Hospize in der Schweiz. Die Krankenkassen gelten das Wohnen und die Verpflegung sowie teilweise Kosten für Pflege und Betreuung heute nicht vollständig ab – obwohl der Aufenthalt in einem Hospiz in den meisten Fällen günstiger ist als im Spital.