Zum einen gehen respektive fahren sie zu den Menschen hin, statt auf sie zu warten. «Immer weniger Menschen suchen die Kirchenräume auf, das Gefühl von Zugehörigkeit schwindet», sagt Minder. «Deshalb müssen wir uns unbedingt die Frage stellen, wo Kirche stattfinden soll.» Für sie ist klar: «Kirche beschränkt sich viel zu sehr auf den Sonntagmorgengottesdienst. Aber Glauben beginnt in Begegnungen und Gesprächen.» Das Dreirad ist denn nicht nur an kirchlichen Anlässen unterwegs. Auf der Agenda stehen bereits das Lenzburger Jugendfest, ein Streetfoodfestival und ein Anlass für Jungsenioren im Müllerhaus Aarau. So hoffen die Initiantinnen, ein offenes, bewegliches und lebenslustiges Bild von Kirche zu vermitteln.
Praktisch in der fusionierten Kirchgemeinde
Zum anderen dient die «Bohne», wie die Frauen sie nennen, als praktisches Verkehrsmittel. Sie ermöglicht es der Vikarin und der Diakonin, auf sichtbare und nahbare Art zwischen Othmarsingen, Lenzburg und Hendschiken unterwegs zu sein. Die drei Kirchgemeinden sind 2023 fusioniert. «Das Fahren müssen wir noch etwas üben», lacht Karin Rätzer. Als Coach zur Seite steht ihnen gerne Sigrist Erich Geissbühler. Der ehemalige Automechaniker ist natürlich für die Wartung des Piaggio verantwortlich.
Vorbild Schottland
Wie kreativ Kirche sein kann, erlebte Vikarin Minder, die früher Pflegefachfrau war, auf einer Reise nach Schottland im Rahmen des Theologiestudiums. Dort gehe Kirche längst aktiv auf Menschen zu, sagt sie. Als sie später bei einem Besuch in der Kirchgemeinde Wädenswil einen Piaggio Ape sah, kam ihr die Idee des Kirchenmobils, für das auch die Sozialdiakonin sofort Feuer fing. Fast hätten sie den Gedanken allerdings wieder verworfen: Auf Ricardo entdeckte sie das perfekte Modell mit Aufbau – für 30 000 Franken.