Den Reformierten im Gebiet Bern-Jura-Solothurn ist der Theologe Samuel Lutz nach wie vor gegenwärtig, etwa als einstiger Präsident des Synodalrats. Dieses Amt versah er während zwölf Jahren bis 2007. Zu seinem Hinschied publizieren wir Ausschnitte aus den Würdigungen dreier Weggefährten. heb
«Theologe, nicht Manager»
Samuel Lutz war Zwingliforscher und Kenner der Reformation in ihrer Breite. Einen gewichtigen Beitrag zur Forschung lieferte er mit seiner Dissertation, aufgrund derer er 1991 in Bern zum Dr. theol. promoviert wurde: Dieses Werk ist nicht weniger als eine Gesamtdarstellung der Theologie Zwinglis.
Zu Samuel Lutz in seiner Rolle als Präsident des Synodalrats: In den 2000er-Jahren entspann sich eine animierte Diskussion rund ums Bischofsamt in der reformierten Kirche der Schweiz. Ich habe damals immer gesagt, wir hätten doch schon einen «Bischof», Samuel Lutz nämlich. Denn er tue genau das, was die Aufgabe des Bischofs sei, also Leitung der Kirche durch Lehre. Man denke dabei nur etwa an seine zahlreichen Vorträge, Interviews sowie Predigten. Gerade in seinem Amt als Synodalratspräsident sah er sich nicht als Manager, sondern dezidiert als Theologe.
In einem Interview wiederholte er seinen bekannten Satz: «Wir können nicht offen genug sein» – und schob daraufhin eine entscheidende Präzisierung nach: «Offen für Gottes Wort, offen für die Leitung des Heiligen Geistes, für die Vielfalt der Wege des Glaubens, für die Probleme und Chancen der Gesellschaft. Wir dürfen Gottes Gnade nicht begrenzt denken.»
Matthias Zeindler, ehem. Leiter des Bereichs Theologie von Refbejuso
«Er war ein Brückenbauer»
Samuel Lutz begleitete mich theologisch seit meiner Studentenzeit. Wir gehörten zur Forschungsgruppe um Professor Gottfried Wilhelm Locher, wo wir besonders die Zwingli-Quellen und die reformatorische Sozial- und Zeitgeschichte erforschten. Dieser Themenkreis begleitete uns alle unser Leben lang.
Als Synodalratspräsident formulierte Samuel Lutz den Leitsatz: «Refbejuso als offene Suchgemeinschaft». Überdies baute er Brücken zu den anderen Konfessionen.
Er war auch musikalisch; als vorzüglicher Pianist begleitete er seine Ehefrau Anne-Marie, geborene Léchot, als Sopranistin zu Hause oder bei Konzerten. Die Gestalter der Liturgie zu seinem Abschied im Berner Münster am 30. Dezember 2025 wählten ein sehr passendes Titelbild, einen Ausschnitt des Berner Münsters mit einer Taube: Symbol des Heiligen Geistes und des Friedens. Das Bild lässt sich auch so lesen: die reformierte Kirche als offene Suchgemeinschaft, erfüllt von einem neuen Spiritus und vom Friedensauftrag – das ist das Vermächtnis von Samuel Lutz-Léchot.
Ulrich J. Gerber, ehem. Rektor der Kirchlich-Theologischen Schule Bern
«Ich danke dir, Samuel»
Diese Todesnachricht machte mich sehr betroffen. Zurück bleiben äusserst positive und allerbeste Erinnerungen. Drei Wesenszüge charakterisierten Samuel Lutz als Chef der Berner Landeskirche besonders. Da waren zunächst seine Charakterfestigkeit und seine Treue in der täglichen Arbeit. Das Präsidium des Synodalrats von Refbejuso ist eine immense Aufgabe. Dabei blieb Samuel Lutz überlegen und überlegt, auch im grössten Stress.
