Nachwuchs im Pfarramt für Bündner Kirchgemeinden

Pfarramt

Verschiedene Ausbildungswege führen in der Schweiz zum Pfarramt. Über ein Theologiestudium oder via Quereinstieg. Dann folgt ein Lernvikariat.

Ich fühle mich gut vorbereitet, um als Pfarrerin zu starten.
Romana Giossi, Vikarin Valsot

Romana Giossi

«Ich fühle mich gut vorbereitet, um zu starten», sagt Romana Giossi nach einem Jahr Vikariat im Unterengadin. Sie freut sich, mit Menschen in Kontakt zu sein. «Wir werden geschult, auch neue Formen von Kirche zu schaffen.» Die 28-jährige Prattlerin hat direkt nach der Matur Theologie studiert und war bis vor zwei Jahren noch katholisch. «Wegen meines Einsatzes in der Jugendarbeit bin ich aber seit Langem mit beiden Konfessionen vertraut». Diese Arbeit hat bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Während der Ausflüge ins Ausland erlebte sie Kirche als Netzwerk, das über Kultur, Sprache und Landesgrenzen hinweg trägt. Das Unterengadin lernte Romana Giossi während Sommersaisons in der Landwirtschaft kennen und sogleich schätzen. «Mir gefällt die Region und wie die Menschen zusammenleben.» So sehr, dass sie bleiben wird. Im Spätsommer tritt sie eine Pfarrstelle in Zernez an. Bis dahin hat Romana Giossi vielleicht noch besser Rätoromanisch gelernt. Denn wenn Jugendliche ihr Gottesbild beschreiben müssen, dann gehe das besser in der Muttersprache.

Martin Perl

«Ich habe gelernt, tiefe Seelsorgegespräche zu führen», sagt Martin Perl. Der studierte katholische Theologe beendet bald sein Vikariat zum reformierten Pfarrer in Flims. «Mir gefällt die Idee des Priestertums aller Gläubigen», begründet er den Wechsel der Konfession. Auch das zölibatäre Leben ist nichts für ihn. Perls Frau kommt aus Ilanz, ein Grund, warum er in Graubünden bleiben und die Pfarrstelle in Untervaz übernehmen wird. Ihm liegt ausserdem das Prinzip der Ortsgemeinde, wo die Pfarrperson mit den Menschen im Dorf unterwegs ist. Das ist in Graubünden noch öfter der Fall. Zuvor arbeitete er in Dübendorf als Seelsorger. «Die Menschen begegnen mir als angehendem Pfarrer mit grosser Offenheit, oft bekomme ich ein Lächeln», fasst er seine Erfahrungen im Vikariat zusammen.
Auch er wurde in der Ausbildung auf eine Kirchenlandschaft vorbereitet, die in Zukunft ärmer und kleiner sein wird. «Das sagt man uns in der Ausbildung ganz offen und ehrlich.» Ob er neue Formen von Kirche ausprobieren wird? «Erst mal schauen, welche Traditionen das Dorf schon hat.»

Vera Husfeldt 


«Irgendwann war Ende der Fahnenstange, und ich fragte mich, wie geht es weiter.» Vera Husfeldt stand nach einer erfolgreichen Karriere als Bildungsforscherin an einem Wendepunkt und erinnerte sich, dass sie als Kind ja mal Pfarrerin werden wollte. «An der Uni habe ich Theologie im Nebenfach studiert und war enttäuscht.» Die wissenschaftliche, kritische Betrachtung der Theologie hätten sie als junge Studentin vor den Kopf gestossen. Den Entschluss, das Theologiestudium im Quereinstieg nochmals zu wagen, fasste sie, nachdem sie in dieser Zeit der Ungewissheit Halt in der Kirchgemeinde gefunden hatte. Das Studium vereinbarte sie mit ihrer Dozenten-Tätigkeit an der Fachhochschule in Chur. «Eine neue Welt tat sich auf: Wie hatte ich 50 Jahre ohne dies alles leben können?» Zwar zieht es sie wieder ins Unterland, ins Pfarramt im Aargau, zurück. Doch als Vikarin hätte sie sich keinen besseren Lernort als Malans wünschen können. Was ihr im Pfarrberuf am meisten gefällt? «Ich liebe alles. Vor allem das Feiern. Im Gottesdienst, bei Ausflügen, Gemeindenachmittagen, immer steht das Feiern der Gemeinschaft im Zentrum.»