Keinen Akkord benötigt Dudu Tassa, um den Sog zu entfachen, der von seiner Musik ausgeht. Seine warme Stimme, in knapp über dem Boden schwebenden Melodien kreisend, reicht. Mit dem hebräisch gesungenen Album «Ani» gelingt ihm ein fast intimes Werk mit 18 klug aufeinander abgestimmten Songs.
Nach der kargen Eröffnung weitet sich das Klangspektrum. Hallende Pianotupfer und ein elektronisches Flirren steigern sich langsam zum von einer fantastischen Basslinie angetriebenen Tanzstück.
Absurdität des Boykotts
Vor zwei Jahren hatte Dudu Tassa zusammen mit Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood das wunderbare Album «Jarak Qaribak» eingespielt. Musikerinnen und Musiker aus Syrien und Marokko, Irak und Libanon, Ägypten und den palästinensischen Gebieten sangen jeweils ein Liebeslied aus der reichen Musiktradition eines Nachbarlands.
Mit ihrem Album, das in einer Zeit der plumpen Verpolitisierung und Spaltung ein Friedenslicht anzündete, gerieten Tassa und Greenwood absurderweise ins Visier der Boykottbewegung BDS, die Israel sogar in Kunst und Wissenschaft isolieren will und auch vor Antisemitismus nicht zurückschreckt. Das Duo musste Konzerte in Bristol und London wegen Drohungen absagen.
