Felix Reich
Meinung 10. September 2026, von Felix Reich

Leuchtturm und Schutzraum

Kommentar

Das Haus der Diakonie in Zürich will in die Stadt hinein wirken. Zugleich haben die der Kirche anvertrauten Menschen Schutz nötig. Die Streetchurch muss die Balance finden.

Das Haus der Diakonie ist ein Vorzeigeprojekt, das die fusionierte Kirchgemeinde nötig hat. Es zeigt, dass sie sich nicht verliert in Strukturdebatten, Wahlkämpfen und Strategieworkshops.

Nicht von ungefähr wurde die Streetchurch damit betraut, das Gebäude mit Leben zu füllen. Ihr ist es gelungen, auch in der Anpassung ihre Identität zu finden, indem sie auf die Bedürfnisse der Menschen reagierte.

Tun, was nottut

Als Jugendkirche gegründet, die eine landeskirchliche Antwort auf charismatische Freikirchen sein wollte, wandelte sie sich zur Diakoniekirche. Nicht aus Selbstzweck, sondern weil Kirche zu sein heisst, zu tun, was nottut. 

Mit dem Umzug ins Kirchgemeindehaus Wipkingen wird die Tischgemeinschaft zentral und das markante Bauwerk geöffnet für die Stadt. Zugleich ist die Kirche ein Schutzraum, dessen Hausordnung sich an der Verletzlichkeit des Menschen orientiert.

Hausordnung der Verletzlichkeit

Deshalb dürfen nicht allein kommerzielle Kriterien den Entscheid diktieren, ob im Restaurant Alkohol ausgeschenkt wird. In der Streetchurch wissen viele Menschen aus eigener Anschauung, was Alkohol anrichten, welches Gift er für Familien sein kann.

Alkoholfreiheit ist kein Verbot. Sie ermöglicht vielmehr die befreiende Erfahrung, dass es auch ohne geht. Und geschieht der Verzicht zugunsten der Gemeinschaft, zeigt sich: Rücksichtnehmen macht glücklich.