Aufgalopp in den Wahlkampf

Kirchenpflege

Die Kandidierenden für die Kirchenpflege der Stadt Zürich stellten sich in einer vielseitigen Debatte ein erstes Mal der Öffentlichkeit vor. 

Elefantenrunde nennt man im Politikbetrieb den gemeinsamen öffentlichen TV-Auftritt aller Parteichefs und Parteipräsidentinnen nach einem Wahltag. Je nach Land und Anlass kommen schnell vier, fünf oder sechs politische Schwergewichte zusammen, um das Wahlergebnis oder Abstimmungen zu analysieren. 

Den gleichen Begriff hätte man am 3. Februar in der Citykirche Offener St. Jakob in Zürich verwenden können, wenn auch unter anderen Vorzeichen: Nicht weniger als 15 Kandidatinnen und Kandidaten für einen der sieben Posten in der Zürcher Kirchenpflege stellten sich in dieser grossen, etwas anderen Elefantenrunde den Fragen von Moderator und «reformiert.»-Redaktionsleiter Felix Reich. Die Exekutive und die Legislative der Kirchgemeinde der Stadt Zürich werden am 12. April gleichzeitig neu bestimmt.

Ganz so zahlreich wie die Liste der Kandidierenden waren die Themen, die sich im Lauf des Abends als die zentralsten herausschälten, dann allerdings nicht. Das war ganz gut so, denn sonst hätte es eine arg verzettelte Veranstaltung werden können. Moderator Reich startete mit einer Vorstellungsrunde. «Warum sollte man gerade Sie in die Exekutive wählen?», so seine Frage. 

Die Kirchgemeinde der Stadt Zürich wählt

Am 12. April finden in der Kirchgemeinde Zürich Gesamterneuerungswahlen statt. Rund 60 000 Stimmberechtigte werden über die Besetzung von Exekutive (Kirchenpflege) und Legislative (Kirchgemeindeparlament) für die Amtsdauer bis 2030 entscheiden. Für ein Amt im siebenköpfigen Gremium der Kirchenpflege treten folgende 15 Kandidatinnen und Kandidaten an: Christian Aebi, Lukas Bärlocher, Anke Beining-Wellhausen, Gerd Bolliger, Michael Braunschweig, Michael Hauser, Anna Katharina Hotz Semadeni, Georg von Itzenplitz, Res Peter, Céline Reymond, Marcel Roost, Mona Schatzmann, Karin Schindler, Stefan Turnherr und Sabine Ziegler. 

Mit Braunschweig, Hauser und Peter treten drei Bisherige erneut an. Nicht mehr zur Wahl stellen sich die Präsidentin Annelies Hegnauer sowie Barbara Becker, Claudia Bretscher und Simon Obrist. Um das Amt des Kirchenpflegepräsidiums duellieren sich Res Peter und Mona Schatzmann. 

Sollte der erste Urnengang keine Entscheidung bringen, was aufgrund des Wahlrechts als sehr wahrscheinlich gilt, ist ein zweiter Gang für den 14. Juni vorgesehen. 

Die Antworten waren vielseitig, sie spiegelten die unterschiedlichsten Aufgaben einer Kirchenpflege wider – und auch, was die Zürcher Kirchgemeinde die vergangenen Jahre am intensivsten beschäftigt hat. Der Umgang mit den kircheneigenen Immobilien spielte immer wieder eine Rolle und damit einhergehend die Frage, wo die Balance zwischen sozialer Verantwortung und finanziellem Gewinn zu finden ist. Die Fusion der 32 Stadtzürcher Kirchgemeinden zu einer einzigen ist nun sieben Jahre her, auch der Zusammenschluss und seine Folgen wurden später rege diskutiert.

Vier Teams anstatt Parteien

Anders als in der Synode der reformierten Kirche des Kantons, welche die Exekutive selbst wählt, gibt es in der städtischen Kirchenpolitik keine Fraktionen. Die Wahl ist damit noch stärker eine Personenwahl. Für die Kandidierenden gilt daher, das eigene Profil zu schärfen und an die Wählerschaft zu bringen. Der erste Teil des Abends glich daher einem Hearing und diente dem simplen Kennenlernen. 

Wohl wegen der fehlenden Parteien und Fraktionen haben sich vier Teams zusammengeschlossen. Die zwei grösseren formieren sich um die beiden Kandidierenden für das Kirchenpflegepräsidium: Mona Schatzmann und Res Peter. 

Der Pfarrer nutzte die Kennenlernrunde in erster Linie dafür, seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter vorzustellen. Zu sich selbst verwies er nur kurz auf seine Erfahrung der vergangenen sechs Jahre als Vizepräsident der Kirchenpflege. Schatzmann erzählte von ihrer «Tellerwäscherkarriere in der Kirche», die sie nun bis ins Kirchenpflegepräsidium führen soll.  

Ich möchte, dass die Finanzen langfristig solide aufgestellt sind.
Res Peter, Kandidat Kirchenpflegepräsidium

Der Fokus auf Schatzmann und Peter war der prägnante Kern der Gespräche. Felix Reich hakte nach der Vorstellungsrunde genauer nach und wollte unter anderem wissen, was in vier Jahren nach ihrer jeweiligen Präsidentschaft anders sein werde als heute. 

Die Folgen der Fusion 

Schatzmann nahm das Thema der Fusion auf. «Ich hoffe», sagt sie, «dass wir in den kommenden Jahren noch besser zusammenwachsen.» Ausserdem möchte sie der Kirchgemeinde zu mehr Gewicht in der Stadtzürcher Politik verhelfen. Peter sprach über die neue Generation, die sich in der Kirchenpflege engagieren soll, am liebsten natürlich aus den Reihen seines Teams. Wichtig sind Peter die Finanzen, die «sogar mit Blick weit voraus bis ins Jahr 2060 auf soliden Füssen stehen sollen». 

Die Gemeinde soll noch besser zusammenwachsen.
Mona Schatzmann, Kandidatin Kirchenpflegepräsidium

In einer Runde am Ende befragte Reich die Kandidierenden zu Themen, die ihre Kernkompetenzen betreffen. Das Publikum erfuhr mehr über ihre Haltungen zu Bürokratieabbau, Schöpfungsinitiative, Immobilienleitbild, dem Verhältnis zwischen Parlament und Kirchenpflege, zum Mitgliederschwund und Wachstum. Es war der Abschluss eines sanften und aufschlussreichen Aufgalopps in einen Wahlkampf, der viel Spannung verspricht. 

Nächste Podiumsdiskussionen mit allen Kandidierenden für die Kirchenpflege: 

25. Februar, 17.30 Uhr, Markussaal, Höhenring 56, Zürich, Moderation: Felix Reich.  

5. März, 18.30 Uhr, Kirche St. Peter, Sankt Peterhofstatt 1, Zürich, Moderation: Esther Girsberger.