Das Gremium ist ein Novum in der Schweiz: Zwölf Menschen aus dem ganzen Land, die von Armut betroffen sind oder waren, treffen sich einmal pro Monat für einen halben Tag in Bern zu einer Sitzung. Der Rat für Armutsfragen hat Ende April seine Arbeit aufgenommen.
Derzeit klärt der Rat zusammen mit sechs Fachleuten die Prioritäten, legt seine Arbeitsweise fest, bildet Arbeitsgruppen und tauscht sich zusätzlich online aus. Erstmals an die Öffentlichkeit treten möchte er im September – und künftig Armutsbetroffenen in Politik und Gesellschaft mehr Gehör verleihen.
Lange Vorlaufzeit
Denn anders als beispielsweise behinderte oder junge Menschen, für die es im Bundeshaus spezielle Sessionen gibt, verfügten Menschen mit wenig Geld in Bern bislang kaum über eine Interessensvertretung.
Zwischen 2022 und 2025 lief unter der Federführung des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV) ein umfangreicher Prozess. Fachpersonen, Forschende sowie armutserfahrene Personen und ihre Organisationen entwickelten zusammen die passende partizipative Form, um ihre Anliegen in der Politik einzubringen. Sie schlugen die Gründung des Rats für Armutsfragen vor. In den nächsten Wochen soll er die Rechtsform eines Vereins erhalten.
Der Entscheid sei für ein niederschwelliges Format gefallen, das nahe bei den Leuten sei, erklärt Mirjam Zbinden, Projektleiterin beim BSV. «Der Rat ist unabhängig, er darf also kritisch sein.» Finanziert wird das Gremium von Stiftungen und dem Migros-Kulturprozent. Es fehlen jedoch noch weitere Geldgeber
