Geld prägt unser Leben – und stellt gerade in einer globalisierten, von Krisen geprägten Welt auch Christinnen und Christen vor grundlegende Fragen. Was bedeutet ein verantwortungsbewusster Umgang mit Geld? Und inwiefern kann heute die Bibel Orientierung geben, wenn es um Finanzentscheidungen, Vermögensverwaltung und nachhaltiges Investieren geht? Der Theologe und Unternehmensethiker Stefan Streiff zeigt, inwieweit biblische Texte Anhaltspunkte zum Umgang mit Geld geben können.
Geld und Bibel
Das Thema Geld kommt in der Bibel häufig vor. Mehr als 2000 Stellen sind in den alten Schriften zu finden. «Doch diese sind inhaltlich widersprüchlich», sagt Stefan Streiff. Streiff arbeitet als Senior Analyst bei einer Vermögensverwaltung für ethisch-nachhaltige Geldanlagen, Arete Ethik Invest, in Zürich. Zu den Kunden zählen Privatpersonen, aber auch Nichtregierungsorganisationen und Kirchen.
Sozialpflichtigkeit des Geldes
«Ich meine, es gibt in der Bibel lebenspraktische Richtlinien zum Umgang mit Geld. Da geht es um sorgfältige Planung, Effizienz, Transparenz, und die Sozialpflichtigkeit des Geldes ist ganz wichtig. Also, dass das Geld nicht nur dem Besitzer, sondern auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen solle. Etwa, indem die Vulnerabilität des Lebens abgefedert wird. Witwen und Waisen, Arme, Verletzte, Kranke – sie alle werden bedacht.» So steht im ersten Johannesbrief (3,17 f.): «Wer aber die Mittel hat, die Welt zu nutzen, und sieht seinen Bruder oder seine Schwester in Not und schliesst sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?»
Immer Mittel zum Zweck
Wolle man ein Prinzip aus der Bibel destillieren, dann «dass Geld eine Ressource ist, die wir sinnvoll einsetzen können und sollen», so Streiff. Diese Ressource solle dem Leben dienen. Eine weitere Richtlinie erkennt Streiff darin, dass Geld niemals Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck ist. Um beispielsweise Genuss zu ermöglichen. Menschen dürften Gottes Gaben geniessen. Nun, wie sind die Aussagen der Bibel auf eine kirchliche Finanzpolitik anwendbar? «Bedingt», sagt Stefan Streiff. Die Bibel lasse sich weder für kapitalistische noch für sozialistische Ideen instrumentalisieren.
Was die Frage nach ethischen und nachhaltigen Anlagen betreffe, sehe dies allerdings anders aus. In den letzten 20 Jahren sei da viel passiert, sagt Streiff. So haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die deutsche Bischofskonferenz Empfehlungen erarbeitet. Im Leitfaden der EKD ist zum Beispiel festgehalten, dass Investitionen sozial verantwortlich, ökologisch nachhaltig und generationengerecht erfolgen sollen. Und in Firmen, die ihren Umsatz mit Rüstungsgütern erzielen, soll nicht investiert werden.
Landeskirche hat klare Ziele
Und in der Schweiz? Marcel Schädler, Finanzverwalter der Bündner Landeskirche: «Wir setzen in unserer Anlagestrategie auf Nachhaltigkeit. In einem Anlagereglement haben wir klare Ziele definiert in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, sie sind fest in die Investmentprozesse integriert. Rohstoffe und Waffen sowie Unternehmungen, die Menschenrechtsverletzungen akzeptieren, sind Ausschlusskriterien für Geldanlagen.»
Greenwashing entlarven
In den vergangenen Jahren jedoch gab es gesamtgesellschaftlich gesehen Rückgänge im Bereich nachhaltiger Investition. «Zurzeit fliessen Gelder eher in Rüstungsfirmen als in die nachhaltige Entwicklung.» Der Grund sei die weltpolitische Lage, sagt Stefan Streiff.
Doch nicht allein Konflikte haben nachhaltiges Anlegen einbrechen lassen. Eine Herausforderung für Anleger ist auch, Greenwashing zu entlarven. Hierbei werden Anlagen als nachhaltig deklariert, die es am Ende gar nicht sind. Für Stefan Streiff haben Anleger eine Holschuld, sich über Investments zu informieren: «Das kostet Aufwand, aber es geht nicht anders.»
