Kurz vor dem Anpfiff liegt Spannung in der Luft. Gespräche verstummen, alle Blicke richten sich auf das Fussballfeld. Anpfiff.
Für einen Moment scheint die Welt stillzustehen. Und dann: Hoffnung, Euphorie und Enttäuschung durchfluten Millionen Menschen. Weniges schafft ein solches Gemeinschaftsgefühl wie Fussball.
Ausbeutung und Kommerz
Die Weltmeisterschaften machen aber auch die Schattenseiten sichtbar: Kommerz, Ausbeutung, politische Instrumentalisierung. Laut dem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Level mussten für die WM 2022 in Katar Arbeitsmigranten aus Bangladesch, Nepal oder Indien unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Zentraler Kritikpunkt des Berichts ist, dass der Fussballweltverband (Fifa) den menschenrechtlichen Verpflichtungen gemäss den Leitlinien der UNO nicht nachgekommen ist.
Judith Engeler, Theologin und seit 25 Jahren leidenschaftliche Fussballerin, wird die WM in den USA, Mexiko und Kanada trotz allem verfolgen, die am 11. Juni eröffnet wird. Ihren «Konsumentscheid, die Spiele zu schauen» hat sie schon vor Jahren gefällt. Obwohl ihr die WM 2018 in Russland schon Bauchschmerzen bereitet hatte. Genauso wie die WM in Katar vier Jahre später.
