Es gibt Städte, die einen nie enttäuschen – im Guten wie im Schlechten. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, in meine alte Heimat Berlin zu reisen. Kaum in der untersten Etage des Hauptbahnhofs angekommen, stutzte ich über Absperrungen an allen Rolltreppen. Weil ich bis in die oberste Etage musste, rollte ich den Koffer zum Aufzug. Da wartete ein Mann im Rollstuhl. «Ick kann ja nich anders», berlinerte er, während wir zehn Minuten auf den Lift warteten. Als wir endlich im Schneckentempo nach oben schwebten, erklärte er, die Rolltreppen seien seit Tagen ausser Betrieb. «Sie sind rückwärts und viel zu schnell gefahren.» Er amüsierte sich über geschockte Blicke der mitfahrenden Touristen.
Mein erster Ausflug führte mich zum Paketshop, in dem ich eine Rücksendung aufgeben musste. Ich schleppte das Paket bis zu einem DDR-Bürogebäude, das mir mein Handy anzeigte. Kein Hinweis auf den Paketdienst, dafür grinste mich ein Rezeptionist belustigt an: Den Shop gebe es seit fünf Jahren nicht mehr. Genauso wenig wie Fahrradgeschäft und Kopierladen. Weil ich vom Schleppen eine Pause brauchte, kamen wir ins Plaudern. Der Mann erzählte, dass täglich ein Dutzend Leute bei ihm mit Paketen vorbeikommen. Ich hatte den Eindruck, dass er die Verirrten gern in Gespräche verwickelt.
