Die Kampagne 2026 von Heks und Fastenopfer widmet sich dem Thema Saatgut. Viele denken dabei an romantische Blumenwiesen und Wildblumen. Weshalb misst Heks dem Saatgut auch eine wirtschaftliche und politische Bedeutung bei?
Tina Goethe: Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung. Welches Saatgut der Landwirtschaft zur Verfügung steht, bestimmt letztlich, was auf unseren Tellern landet. Im Saatgutmarkt bündeln sich damit zentrale Machtfragen der globalen Landwirtschaft und Ernährung. Durch Fusionen und Übernahmen hat sich die Marktmacht im Agrar- und Lebensmittelsektor stark konzentriert. Besonders ausgeprägt ist dies im Pestizid- und Saatgutsektor: Vier multinationale Konzerne – Bayer/Monsanto, Corteva, Syngenta und BASF – kontrollieren heute rund 56 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes und 61 Prozent des Pestizidmarktes.
Fusionen gelten doch als Ausdruck wirtschaftlicher Effizienz. Wo sehen Sie das Problem?
Die hohe Marktkonzentration erlaubt es wenigen Akteuren, darüber zu entscheiden, welches Saatgut verfügbar ist und zu welchen Preisen. Häufig wird Saatgut nur noch zusammen mit den passenden Pestiziden verkauft, die für die versprochenen Erträge notwendig sind. Das verteuert die landwirtschaftliche Produktion erheblich. Gleichzeitig schädigt der intensive Einsatz von Agrochemikalien Böden, Wasser und Biodiversität – und untergräbt damit langfristig auch die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber dem Klimawandel.
Hier könnte doch der Staat regulierend eingreifen.
In der Theorie ja. In der Praxis geht wirtschaftliche Macht jedoch mit politischem Einfluss einher. Die grossen Agrarkonzerne prägen nationale und internationale Gesetzgebungsprozesse sowie öffentliche Debatten. Ein zentrales Beispiel sind patentähnliche Schutzrechte auf Saatgut. Sie untersagen Bäuerinnen und Bauern, Saatgut aus der eigenen Ernte erneut auszusäen, zu tauschen oder weiterzugeben – Praktiken, die über Jahrtausende hinweg selbstverständlich waren und die Vielfalt unserer Nahrungspflanzen gesichert haben.
