Gegen den Trend

Abstimmung

Der Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative findet in der Zürcher Landeskirche eine Mehrheit. Insbesondere in den beiden grossen Städten haben die ehrgeizigen Klimaziele Rückhalt.

Die reformierte Stimmbevölkerung des Kantons Zürich hat den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative angenommen. Damit hat die erste Volksinitiative, die in der reformierten Landeskirche lanciert wurde, am 27. September obsiegt. Eine Gruppe, die aus dem Zürcher Stadtkloster heraus entstanden ist, hatte die Schöpfungsinitiative lanciert. Nachdem der Gegenvorschlag des Kirchenrats in der Synode eine knappe Mehrheit gefunden und gegen den Beschluss das Behördenreferendum ergriffen wurde, hatte das Komitee seine Initiative zurückgezogen.

Hohe Stimmbeteiligung

Die Stimmbeteiligung lag bei 40 Prozent und war damit relativ hoch. Abstimmen konnten alle Mitglieder der reformierten Kirche ab 16 Jahren. Knapp 53 Prozent der Reformierten stimmten dafür, dass alle Kirchgemeinden das Umweltlabel Grüner Güggel einführen müssen. Zudem wird in der Kirchenordnung der Auftrag der Kirche, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, konkretisiert. Ökologie soll in der Bildung thematisiert werden und in die Spiritualität einfliessen. 

Erfreut zeigt sich der Kirchenrat über das Ergebnis: «Die Kirche übernimmt Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und schafft in ihrem Wirkungsbereich eine verlässliche Grundlage für eine nachhaltige Zukunft», lässt sich Kirchenrätin Eva Schwendimann in einer Medienmitteilung zitieren. Bis 2035 will die Landeskirche mit ihren Gebäuden das Netto-Null-Ziel erreichen und übertrifft damit die Vorgaben von Bund und Kanton. Allerdings sind Liegenschaften aus dem Finanzvermögen von der Regelung ausgenommen.

Mehr Gemeinden dagegen

Mit der Zustimmung bricht das reformierte Stimmvolk den politischen Trend. Zuletzt hatten es ökologische Vorlagen bei Volksabstimmungen schwer. Im Juni 2021 scheiterte das schärfere CO2-Gesetz. Die grüne Welle schien verebbt.

Das Referendumskomitee verweist in seiner Stellungnahme auf den Stadt-Land-Graben, der auf der Abstimmungskarte sichtbar werde. Tatsächlich lehnten 109 Gemeinden den Gegenvorschlag ab,  nur 57 Gemeinden waren dafür. Freilich resultierte in der fusionierten Kirchgemeinde der Stadt Zürich in allen neun Kirchenkreisen ein deutliches Ja. 

Zudem bildet die Statistik nicht die kirchliche Realität ab, weil sie nur die Entscheide nur in den Grenzen der politischen Gemeinden erfasst. In der Realtiät besteht die Zürcher Landeskirchen nach Zusammenschlüssen noch aus 108 Kirchgemeinden.

Stadtzürcher Bekenntnis

Neben der Stadt Zürich, die mit 70 Prozent den höchsten Ja-Stimmen-Anteil auf sich vereinte, befürworteten auch alle Kirchgemeinden Stadt Winterthur die Klimaziele. Jedoch zeigte sich im Bezirk Winterthur die Diskrepanz zwischen Stadt und Land besonders deutlich: Alle Gemeinden ausserhalb der Stadtgrenzen sagten Nein.