Hilft Beten? Was bewirken unsere Fürbitten?
Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.
Ralph Kunz ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich. (Illustration: grafilu)

Wenn ich Ihre Frage mit meiner Alltagsvernunft beantworten wollte, müsste ich passen. Aber ich glaube, dass wir beim Beten eine Wirklichkeit berühren, die mit den Zangen der Logik nicht zu fassen ist. Was das in Gang bringt, übersteigt unseren Verstand. Und doch spüren wir zutiefst in unserem Innern, dass sich beim Beten der Himmel öffnet, zwar nicht immer, aber immer wieder.
Ich wende mich nicht an ein Es, sondern werde vorstellig beim Du, dem Schöpfer, der Himmel und Erde gemacht hat und in Christus zur Welt gekommen ist. Beten ist Kontaktaufnahme über Kanäle, die den geistlich Hellhörigen offenstehen. Über sie zu kommunizieren, will geübt sein. Wir vertrauen auf die Kraft, der wir unser Leben verdanken. Wir rufen den an, der sich um uns kümmert. Und wenn mir ein Leid das Herz zerreisst, wie viel mehr wird es ihn beelenden. Für den christlichen Glauben ist das Gebet und insbesondere die Fürbitte ein Akt der Liebe – kein Ersatz für die konkrete Tat, eher ihre Verlängerung und Vertiefung.
Die Fürbitte ist eine Art Fernsegen – eine Berührung im Geist. Ich schicke dem anderen einen Engel. Was mein Bitten bewirkt, weiss ich nicht, dass Gott hilft, glaube ich. Mehr zu sagen, wäre vermessen. Es ist ein Geheimnis. Beim Beten verlasse ich mich auf Gott und «brauche» meinen Glauben. Ganz besonders, wenn ich für andere einstehe. Denn dann reklamiere ich den Glauben nicht für mich. Wenn ich für andere bete, hoffe ich, dass Gottes Erbarmen für sie spürbar wird. Wenn ich die Not des anderen Gott anbefehle, wird mein Glaube «Fürglaube» und meine Hoffnung «Fürhoffnung». Dass Gott mein Rufen erhört, mag eine naive Vorstellung sein. Und wenn schon! Wie dichtet Matthias Claudius? «So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehn.»
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Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie).
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