Lebensfragen 28. März 2025, von Ralph Kunz

Warum gibt es so viel Leid auf unserer Welt?

Theologie

Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.

Meine Frage ist eine, die von sehr vielen Leuten gestellt wird: Warum gibt es so viel Leid auf der Welt? Viele Menschen, darunter Kinder, müssen enorm schwere Schicksale ertragen, ohne dass sie etwas dafür können oder konnten. Kommt das wirklich vom Bösen in der Welt, das halt einfach auch da ist? Die Bibel hat dazu ja durchaus eine «Theorie». Oder ist alles Bestandteil eines grösseren Plans?

Leid hat viele Gesichter. Es gibt Übel wie Krankheiten oder Naturkatastrophen, für die niemand Schuld trägt. Und es gibt die böse Tat. Beides macht uns zu schaffen. Sie fragen nach biblischen «Theorien». Ich spreche lieber von Antworten. Zentral ist die Lehre von der Sünde. In uns und zwischen uns herrscht eine lebensfeindliche Macht. Aber das erklärt nicht alles Leid. Nicht alles, was uns Böses widerfährt, ist die Quittung für unsere Sünde. Es gibt Zufälle, Unfälle. Würde es die Last leichter machen, wenn wir einen göttlichen «Plan» darin erkennen könnten? Was würde das helfen? 

Die Frage, woher das Böse kommt, ist tatsächlich theoretisch. Oder philosophisch. Und natürlich beschäftigt auch die Theologie, wie man Sünde und Tod mit dem Glauben an den guten Schöpfer zusammendenken kann. Es ist ein durchgehendes Thema vom Sündenfall bis zur Offenbarung und urmenschlich, dem Leiden einen Sinn abzuringen! Aber ich höre aus den biblischen Antworten ein viel grösseres Interesse daran, wie wir das Böse überwinden können. Wir sollen um Erlösung bitten und nicht Erklärungen auf Teufel komm raus liefern. Wir sollen realistisch sein, aber die Hoffnung nicht fahren lassen.

Wo ein Leid den anderen trifft, sind wir gerufen, die Last mitzutragen und mit den Weinenden zu weinen. Wenn es einen Plan gibt, ist er uns als Heilsplan bekannt. Es ist die Hoffnung, die Paulus tollkühn sagen lässt: «Denn ich bin sicher, dass die Leiden der jetzigen Zeit im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns sichtbar werden wird, überhaupt nicht ins Gewicht fallen» (Röm 8,18). Es ist diese Hoffnung, die uns nach Leben fragen lässt, danach, wie wir Frieden stiften, unsere Menschlichkeit wahren und Christus ähnlicher werden können. Das ist der Plan. Mehr können und müssen wir nicht wissen.  

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Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie). 

Senden Sie Ihre Fragen an «reformiert.», Lebensfragen, Preyergasse 13, 8001 Zürich. 

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