Lebensfragen 27. Juni 2025, von Ralph Kunz

Wie mit der Schuld an den Täufern umgehen?

Theologie

Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.

Warum sind die Reformierten vor 500 Jahren so hart gegen die Täufer vorgegangen? Welche Bedeutung hat diese Schuld für unser Verhältnis zu den Nachkommen?

Es handelt sich zweifellos um eine grosse Schuld im Umgang mit einer Minderheit. Das harte Vorgehen hatte theologische und politische Gründe, die man aus heutiger Sicht moralisch verurteilen kann, aber auch historisch beurteilen sollte. Das Verhalten der damaligen Obrigkeit war eher der Staatsräson und der Staatsmoral geschuldet und weniger Ausdruck eines Staatsterrors. In Zürich liess der Rat zu Zwinglis Lebzeiten vier Täufer hinrichten. Bis 1571 kamen zwei weitere hinzu.  

Ein kirchengeschichtlich versierter Kollege meinte dazu: «Der Rat hat versucht, die Todesstrafe zu vermeiden, und lieber zu Geld- oder Gefängnisstrafen oder Landesverweisung gegriffen. Das klingt hart, war aber angesichts der damals geltenden staatlichen Strafgesetze milder als die Praxis in vielen deutschen Territorien.» 500 Jahre später sitzen wir nicht vor Gericht, sondern stehen in der Pflicht, den Rechtsstaat zu verteidigen, der Minderheiten schützt, aber auch endzeitliche Herrschaftsfantasien sektiererischer Gruppen in die Schranken weist. Man kann es auch so sehen: Damals verweigerte der Staat einer religiösen Minderheit ihre Freiheitsrechte, um den Frieden zu wahren. In einer offenen Gesellschaft mit einer freiheitlichen Ordnung geht es darum, die Freiheitsrechte religiöser Minderheiten zu schützen, um den Frieden zu wahren. Ob die Gruppen diesen Schutz verdienen, misst sich daran, wie sie die Freiheitsrechte anderer respektieren. 

Wenn uns jemand etwas darüber lehren kann, dann sind es die Nachfahren derer, die wir einst vertrieben haben, die Mennoniten, unsere Schwestern und Brüder! Sie haben ein Zeugnis, das uns demütig und froh macht. Dass wir diejenigen als unsere Lehrer anerkennen, die wir einst um der Lehre willen vertrieben haben, wird den von Herzen freuen, der die Verfolgten seligpreist. 

Haben Sie auch eine Frage?

Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie). 

Senden Sie Ihre Fragen an «reformiert.», Lebensfragen, Preyergasse 13, 8001 Zürich. 

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