Lebensfragen 26. Januar 2024, von Corinne Dobler

Wie kann ich Freunden den Abschied ermöglichen?

Seelsorge

Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.

Mein Mann liegt im Sterben. Er wünscht eine Beisetzung im kleinsten Familienrahmen und möchte keine Trauerfeier. Das passt zu ihm, da er sehr zurückgezogen lebte. Ich hingegen habe viele Freunde und Bekannte und hätte sie gerne dabei. Ich möchte mich aber nicht über seinen Wunsch hinwegsetzen. Was soll ich tun?

Pfarrerin und Seelsorgerin Corinne Dobler antwortet:

Ich verstehe das Anliegen Ihres Mannes. Man möchte keine grosse Sache um den eigenen Tod machen. Seit der Corona-Epidemie verzichten in unserer Kirchgemeinde Menschen öfter auf eine Feier oder wünschen sich nur eine im kleinsten Rahmen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Bei Ihrem Mann höre ich heraus, dass es an seiner Bescheidenheit liegt und er nicht im Mittelpunkt sein will, weil ihm das zu Lebzeiten schon unangenehm war.  

Eine Trauerfeier hat für mich zwei Funktionen: Einerseits ist es ein Abschiednehmen vom Verstorbenen, man würdigt sein Leben und gedenkt seiner. Andererseits ist es ein Neubeginn: Die Hinterbliebenen sind herausgefordert, ihr Leben neu zu ordnen und fortan ohne den Verstorbenen zu leben. Wenn Sie beim Abschied alle einladen, die Ihnen am Herzen liegen oder vielleicht sogar alle Menschen, die den Verstorbenen kannten, beginnt der neue Lebensabschnitt zusammen: Sie erinnern sich gemeinsam, Sie trauern miteinander und sind an der Abschiedsfeier eine Schicksalsgemeinschaft. Dieses gemeinsame Erleben hilft für den Neustart in das Leben ohne Ihren Mann. 

Bedenken sollte Ihr Mann, dass es Freunden, Kollegen und Nachbarn ein Bedürfnis ist, Abschied nehmen zu können und zu versuchen, das Unbegreifliche zu begreifen. Entfernten Bekannten oder einer Dorfgemeinschaft hilft die Teilnahme an einer öffentlichen Trauerfeier, weil dort der Ort ist, an dem sie den Hinterbliebenen kondolieren können. So wäre mein Rat: Reden Sie mit Ihrem Mann. Teilen Sie ihm Ihre Bedürfnisse mit und dass Sie sich wünschen, gemeinsam an seinem Grab mit Ihren Freundinnen, Kollegen und Nachbarn um ihn trauern zu dürfen. Ein solcher Abschied wird Ihnen helfen, den neuen Lebensabschnitt ohne Ihren Mann beginnen zu können. Ich wünsche Ihnen viel Kraft.

Haben Sie auch eine Frage?

Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie). 

Senden Sie Ihre Fragen an «reformiert.», Lebensfragen, Preyergasse 13, 8001 Zürich. 

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